Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Der heutige Feiertag löst bei vielen innere Befangenheit aus. Manche versuchen, ihn mit Schweigen zu übergehen, andere, ihn durch andere Anlässe zu verdrängen - vom heiligen Basilios dem Großen, dessen Gedächtnis wir heute begehen, bis hin zu pseudokirchlichen Ersetzungen wie dem "alten Neujahr"; und wieder andere sind einfach ratlos: Was gibt es hier überhaupt zu feiern, handelt es sich doch um einen jüdischen Ritus, und noch dazu einen so körperlichen, verletzlichen, für das Ohr unbequemen.
Und in dieser Verwirrung liegt etwas sehr Ehrliches: Denn tatsächlich stehen wir vor einem Geheimnis, das sich schlecht in die gewohnten Rahmen religiöser Frömmigkeit einfügen lässt. Gott, der Schöpfer alles Sichtbaren und Unsichtbaren, nimmt am achten Tag seines menschlichen Lebens die Beschneidung nach dem Gesetz des Mose an. Nicht im übertragenen Sinne und nicht symbolisch, sondern auf die direkteste Weise – so, wie es tausende jüdische Säuglinge vor Ihm und nach Ihm taten.
Der heilige Evangelist Lukas spricht darüber ohne jede Erklärung: «Als acht Tage vollendet waren und man das Kind beschneiden musste, gab man ihm den Namen Jesus» (Lk 2,21). Hier gibt es keine Möglichkeit, in Allegorie oder erhabene Spiritualität auszuweichen. Vor uns steht ein konkretes Kind aus Fleisch und Blut, das ganz in den Bund, in die Geschichte eines konkreten Volkes, in sein Gesetz und seine leibliche Wirklichkeit eintritt.
Und dieser Augenblick ist außerordentlich wichtig, weil er uns nicht ein bestimmtes historisches Detail, sondern die Art und Weise der Gegenwart Gottes in der Welt selbst erschließt.
Gott bleibt nicht irgendwo «über» dem menschlichen Leben, um es von oben herab zu betrachten. Er sagt nicht: Das ist für euch, Ich aber stehe darüber. Er tritt ein – in die Leiblichkeit, in das alltäglichste menschliche Dasein. Das Gesetz der Beschneidung wurde Abraham von Gott selbst gegeben: «So soll mein Bund an eurem Fleisch ein ewiger Bund sein» (Gen 17,13). Und nun beugt derselbe Gott, der zum Kind geworden ist, freiwillig seinen Nacken unter dieses Gesetz – nicht weil Er irgendein Bedürfnis hätte, sondern weil Er bis zum Ende mit dem Menschen sein will, dort, wo der Mensch sich wirklich befindet.
Die Bedeutung dieses Geschehens lässt sich einfach ausdrücken: Gott verlangt vom Menschen nichts, was Er selbst nicht zu tragen bereit wäre. Gerade darin erschließt sich jenes «Sich-Entäußern», die Kenosis, von dem der Apostel Paulus spricht: «Er erniedrigte sich selbst und wurde gehorsam bis zum Tod, ja bis zum Tod am Kreuz» (Phil 2,8).
Dieser Weg des Gehorsams, der in der Kindheit des Herrn begann, setzt sich fort: Wir hören heute, wie der zwölfjährige Jesus, der im Tempel zurückbleibt und mitten unter den Lehrern sitzt, ihnen zuhört und sie fragt. Derjenige, dem alles offenbar ist, schenkt dem menschlichen Wort Gehör. Derjenige, der die Weisheit Gottes selbst ist, stellt Fragen. Der Herr nimmt den Weg des menschlichen Erwachsenwerdens an, den Weg des Lernens und Gehorchens. Der Evangelist Lukas sagt ausdrücklich: Er «war ihnen untertan».
Später werden die langen Jahre des verborgenen Lebens kommen, die Taufe im Jordan, wo Er sich in eine Reihe mit den Büßern stellt, und schließlich das Kreuz – der äußerste Punkt der Selbsthingabe und des Gehorsams gegenüber dem Vater.
Warum bewahrt die Kirche die Erinnerung an diesen Tag? Weil er bezeugt: Es gibt keine unserer Wirklichkeiten – leibliche, historische, schmerzhafte, beengte, begrenzte –, die Gott umgangen hätte. Er verschmäht nicht, womit wir leben.
Und deshalb ist das Fest der Beschneidung des Herrn nicht einfach eine Erinnerung an einen alten Ritus. Es ist ein Zeugnis dafür, wie weit Gott dem Menschen entgegengekommen ist. Er ist einer von uns geworden – nicht äußerlich und nicht in Worten, sondern wahrhaftig, indem Er in das Gefüge des menschlichen Lebens selbst eingeht, in seine Verletzlichkeit und seine Grenzen. Um von dort, von innen heraus, den Weg unserer Erlösung zu beginnen und den Menschen zu sich emporzuheben.
Und vielleicht kann dieses Fest uns eines vorhalten: Wir bemühen uns zu oft, uns erst in Ordnung zu bringen und uns dann erst Gott zu nähern. Schwäche zu verbergen, das Peinliche zu kaschieren, eine Maske aufzusetzen und das zu verschweigen, was uns Seiner Gegenwart unwürdig erscheint. Während der heutige Tag das Gegenteil sagt: Gott tritt nicht in ein redigiertes und wohlgeordnetes Leben ein, sondern in das Leben, wie es ist. Amen.