predigt

Predigt zum Sonntag nach Christi Geburt (2026) über die Kinder von Bethlehem

Mt 2,13-23

Roman Bannack, Priester | Zugriffe: 14

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes!

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn! Wenn wir die Geburt Christi feiern, verweilen wir natürlicherweise bei den schönen und tröstlichen Bildern: Engel singen Lobpreis, die Weisen bringen Gaben, das göttliche Kind liegt in der Krippe. Aber die heutige Evangeliumslesung (Mt 2,13-23) zeigt uns eine andere Seite dieses Ereignisses – eine, die man leicht vergisst, die die Kirche aber sorgsam in ihrem liturgischen Kreis bewahrt. Hier gibt es keinen Engelsgesang, sondern das Weinen der Mütter; keine Gaben der Weisen, sondern das Blut der Kinder; nicht die Stille der Nacht, sondern die Wut des Herodes.

Die Geburt des Erlösers rief nicht nur Freude hervor, sondern auch Hass. Warum? Weil das Licht, das in die Welt kam, die Konfrontation zwischen Finsternis und Wahrheit verschärft. Die gesamte Weihnachtserzählung ist von dieser Spannung durchzogen: Maria und Josef müssen eine beschwerliche Reise wegen der Volkszählung auf sich nehmen, in der Stadt ist kein Platz für sie, und das göttliche Kind wird nicht in einem Haus geboren, sondern in einer Höhle, unter Tieren. Dann – die Flucht nach Ägypten, um das Leben des Kindes vor der Hand des Königs zu retten. Hier gibt es keinen äußeren Glanz, kein Wohlbehagen – hier ist von äußerster Not und Gefahr die Rede.

Und doch kommt gerade in diese Finsternis das Licht Gottes. Wie der heilige Evangelist Johannes sagt: „Das Licht leuchtet in der Finsternis, und die Finsternis hat es nicht erfasst“ (Joh 1,5). Dieser Satz ist nicht nur ein poetischer Trost, sondern eine theologische Wahrheit: Das Licht beseitigt die Finsternis nicht augenblicklich, es dringt in sie ein, durchschneidet sie von innen, und die Finsternis ist nicht mächtig, dieses Licht zu verschlingen.

König Herodes beschloss, als er von der Geburt des Heilands erfuhr, ihn zu vernichten, aus Angst um seine Macht. Die Kinder von Betlehem wurden Opfer seiner Bosheit. Diese Erzählung aus dem Evangelium eröffnet uns die Wahrheit über die Welt. Die Welt, in die Christus kam, war eine Welt der Sünde, der Furcht und der Gewalt – und in diesem Sinn unterscheidet sie sich wenig von der unseren. Aber der Herr wandte sich nicht von ihr ab: Gott ist seinem Wort treu, und seine Liebe zu den Menschen bleibt unveränderlich.

Dieser äußere Konflikt hat auch eine innere Dimension. In diesen Tagen hören wir oft den frommen Wunsch: „Möge Christus in unseren Herzen geboren werden.“ Aber das ist nicht immer ein sanfter und schmerzloser Prozess. Oft ist unsere erste Reaktion auf die Berührung der Gnade nicht Freude, sondern Erschrecken und Widerstand. Wir klammern uns, ähnlich wie Herodes, an das, was wir für unser Eigenes halten: Gewohnheiten, Ängste, Selbsttäuschung, die Illusion der Selbstständigkeit. Die Buße zum Beispiel erscheint uns zu schwer, und dann erhebt sich in uns unser eigener „Herodes“ – eine Stimme, die flüstert: „Lass besser alles so, wie es ist“, „Rühre das nicht an – sonst bricht die ganze Ordnung zusammen“, „Du schaffst das schon allein.“

Der Herr sagt: „Denkt nicht, ich sei gekommen, Frieden auf die Erde zu bringen. Ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern das Schwert“ (Mt 10,34). Dieses Schwert ist keine Waffe der Zerstörung, sondern das Wort Gottes, „lebendig und wirksam und schärfer als jedes zweischneidige Schwert“ (Hebr 4,12), das die Lüge zerschlägt und die Wahrheit aufdeckt. Christi Geburt ist nicht nur ein Fest, sondern eine Herausforderung: Sind wir bereit, denjenigen anzunehmen, der nicht gekommen ist, um unsere gemütliche Ordnung zu bestätigen, sondern um sie von Grund auf zu verwandeln?

Der Weg zu Christus ist nicht immer ruhig. Manchmal führt er zur Trennung von dem, was wir gewohnt sind als unser Eigen zu betrachten. Aber wo Christus eintritt, verschwindet die Notwendigkeit, sich an Macht und Kontrolle zu klammern. Wo Er herrscht, weicht allmählich die Furcht – denn, wie der Apostel sagt, „Furcht gibt es nicht in der Liebe, sondern die vollkommene Liebe treibt die Furcht aus“ (1 Joh 4,18).

Möge Weihnachten für uns nicht nur ein Anlass zur Freude sein, sondern auch eine Zeit des ehrlichen Blicks nach innen. Fürchten wir uns nicht vor dem Licht. Machen wir es nicht wie Herodes, verteidigen wir nicht unseren eigenen Thron und opfern dabei die Wahrheit und das Vertrauen auf Gott. Öffnen wir unsere Herzen Christus – nicht wie einem Gast, den man einladen oder nicht einladen kann, sondern wie einem König, der bereits gekommen ist, um uns in die Gemeinschaft mit Gott wiederherzustellen, uns nicht einen äußeren und zerbrechlichen, sondern einen tiefen und beständigen Frieden zu schenken und uns auf dem Weg des ewigen Lebens zu führen.

Amen.

Geschrieben von Roman Bannack, Priester