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Predigt zu Theophanie (2026)

Mt. 3:13-17

Roman Bannack, Priester | Zugriffe: 29
Predigt zu Theophanie (2026)

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes!

Wenn das Fest der Beschneidung des Herrn uns offenbart, wie Gott in das Gewebe des menschlichen Lebens selbst eintritt – in seine Leiblichkeit, sein Gesetz, seine Geschichte –, so zeigt uns das heutige Fest der Theophanie: Er bleibt nicht beim Menschen stehen, sondern geht noch tiefer – hinein in die Elemente der geschaffenen Welt selbst. Die Wasser des Jordan, in die Christus hinabsteigt, sind nicht einfach ein Fluss auf der Karte Palästinas. Sie sind ein Symbol für die gesamte Natur, die mit dem Menschen gefallen ist und ihre ursprüngliche Ganzheit und Reinheit verloren hat.

Die menschliche Sünde, so lehrt die Schrift, zog den Fluch über die ganze Schöpfung nach sich: «Verflucht sei der Acker um deinetwillen» (Gen 3,17). Die Natur, in Vollkommenheit erschaffen, ist nun voller Aufruhr: Wasser können trüb, stürmisch, gefährlich sein. Der Herr betritt dieses Element, das Wasser des Jordan, um es zu heiligen. Er steht nicht abseits, er gebietet nicht von fern – Er taucht Selbst hinein, obwohl Er sündlos ist und der Reinigung nicht bedarf. Stattdessen wird das Wasser, das mit Ihm in Berührung kommt, geheiligt und dazu fähig, Leben in sich zu tragen.

Warum aber wird dieses Fest Theophanie – Erscheinung Gottes – genannt? Weil in dem Augenblick, da der Herr Jesus Christus aus dem Wasser steigt, sich der Himmel auftut, der Heilige Geist in Gestalt einer Taube herabkommt und die Stimme des Vaters verkündet: «Dies ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen gefunden habe» (Mt 3,16–17). Hier offenbart sich deutlich die Heilige Dreifaltigkeit: Der Vater bezeugt, der Sohn steht in den Wassern, der Geist kommt herab. Dies ist nicht lediglich ein Zeichen für Johannes oder die am Ufer Stehenden – es ist eine Offenbarung für die ganze Welt.

Und darin liegt der Triumph dessen, dass sogar das Wasser, sogar die Erde, sogar die Luft dazu berufen sein können, am Heil teilzuhaben. Wir müssen uns nicht vor unserer Geschöpflichkeit fürchten, vor unserer Verbindung mit dieser Welt: All dies ist kein Feind, sondern der Wirkungsbereich von Gottes Erbarmen. Wie uns der Apostel Paulus in der heutigen Lesung in Erinnerung ruft, «ist die Gnade Gottes erschienen, heilbringend für alle Menschen» (Titus 2,11) – und gerade in dieser Erscheinung hat sie nicht nur die menschliche Seele, sondern die Materie selbst berührt.

Darum ist das heutige Fest ein Tag der Freude und der Dankbarkeit. Gott hat weder das menschliche Leben noch die Materie der geschaffenen Welt umgangen. Er ist in die Wasser eingetreten, um auch deren Verklärung zu vollbringen. Und wenn wir heute von der Taufe und der Wasserweihe hören, dann hören wir darin die Verheißung: Die Welt ist nicht verlassen, die Natur ist nicht vergessen, der Mensch ist nicht preisgegeben. Gott ist bereits dorthin eingetreten, wo wir leben – Er ist in den Elementen der Welt erschienen, um in Sich Selbst zusammen mit dem Menschen die ganze Schöpfung zu verwandeln.

Gesegnetes Fest der Theophanie! Amen.

Geschrieben von Roman Bannack, Priester