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Predigt zum 8. Sonntag nach Pfingsten (2026) über die Speisung der Fünftausend

1. Kor. 1:10-18, Matth. 14:14-22; Hebr. 13:7-16, Joh. 17:1-13

Roman Bannack, Priester | Zugriffe: 20
Predigt zum 8. Sonntag nach Pfingsten (2026) über die Speisung der Fünftausend

Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes!

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Im heutigen Evangelium wenden sich die Jünger mit einem durchaus vernünftigen Vorschlag an Christus: „Lass die Leute weggehen, damit sie in die Dörfer gehen und sich etwas zu essen kaufen können“ (Mt 14,15). Die Menschen befinden sich an einem einsamen Ort, der Tag neigt sich bereits dem Abend zu, und es scheint offensichtlich, dass man hier nicht länger bleiben kann. Man muss dorthin gehen, wo man Brot finden kann.

Doch der Herr antwortet mit Worten, die die Jünger verwirren mussten: „Sie brauchen nicht wegzugehen; gebt ihr ihnen zu essen“ (Mt 14,16). Die Jünger haben nur fünf Brote und zwei Fische. Von menschlicher Warte aus ist Sein Gebot unerfüllbar. Aber genau dort, wo die menschlichen Möglichkeiten enden, beginnt die Kraft Gottes zu wirken.

Und diese Worte Christi beziehen sich nicht nur auf jenen fernen Abend am Ufer des Sees von Galiläa. Sie sind auch an uns gerichtet.

Dem Menschen scheint es ständig, als befinde sich das Wichtigste irgendwo anders. Man muss etwas erreichen, etwas erwerben, irgendwo hinkommen – und dann erst wird das Leben vollständig sein. Dieses Gefühl verlässt uns auch im geistlichen Leben nicht. Manchmal scheint es, als läge die wahre Tiefe zwangsläufig irgendwo weit weg: in einem berühmten Kloster, bei einem berühmten Starzen, in einer ganz besonderen spirituellen Erfahrung. Diese Suche mag aufrichtig sein, doch dahinter kann man leicht Christus selbst verlieren, der bereits hier ist – in Seiner Kirche, im Evangelium, in den Mysterien.

Nicht umsonst enthält die heutige Lesung aus dem Apostel die Frage: „Ist denn Christus zerteilt?“ (1 Kor 1,13). Und die Kirche, die heute der heiligen Väter der sechs Ökumenischen Konzilien gedenkt, antwortet im Laufe der Jahrhunderte auf diese Frage stets gleich. Als Lehren auftauchten, die die Gottheit Christi leugneten, Seine menschliche Natur herabsetzten oder das Geheimnis Seiner Person verfälschten, bezeugten die heiligen Väter wieder und wieder ein und dieselbe Wahrheit: Man braucht keinen anderen Christus zu suchen. Derjenige, den die Apostel verkündigt haben, der von der Jungfrau Maria geboren wurde, gekreuzigt wurde und auferstanden ist – Er ist der wahre Gott und der wahre Mensch, der einzige Retter der Welt.

Es gibt noch eine weitere Einzelheit im heutigen Evangelium, die man leicht übersehen kann.

Christus vermehrt das Brot nicht sofort. Zuerst nimmt Er die Menschen auf, heilt ihre Kranken und lehrt sie. Das Volk kam nicht des Essens wegen zu Ihm. Die Menschen kamen zu Christus, um Ihm zuzuhören und von Ihm Heilung zu empfangen. Erst danach kümmerte sich der Herr Selbst um das, woran es ihnen noch mangelte.

Der Evangelist Matthäus beschreibt sehr genau, wie das Wunder geschieht: Christus nimmt das Brot, hebt die Augen zum Himmel, segnet, bricht und gibt es den Jüngern. Fast mit denselben Worten wird später das Letzte Abendmahl beschrieben, als der Herr das Mysterium der heiligen Eucharistie einsetzte.

Christus verteilt das Brot nicht Selbst an die große Menschenmenge, sondern übergibt es den Jüngern, und durch ihre Hände gelangt diese Gabe zu jedem Einzelnen. So speist Er auch heute noch Seine Kirche mit dem Brot des Lebens.

Daher erhalten die Worte „Sie brauchen nicht wegzugehen“ eine noch tiefere Bedeutung. Dort, wo Christus ist, dort ist auch die wahre Speise, die nichts auf der Welt ersetzen kann.

Wir denken oft, dass wir zuerst das irdische Leben ordnen müssten, um erst danach Gott zu suchen. Doch das heutige Evangelium offenbart eine andere Reihenfolge. Die Menschen blieben zuerst bei Christus, und der Herr Selbst erfüllte ihren Mangel. Und heute tut Er dasselbe. Nicht immer so, wie wir es erwarten, und nicht immer dann, wann wir es uns wünschen. Aber wer bei Christus bleibt, bleibt niemals ohne das, was wirklich für das Leben und das Heil notwendig ist.

Lasst uns also die Worte des heutigen Evangeliums bedenken: Wir brauchen nicht von Christus wegzugehen, nicht einmal um des Brotes willen. Denn alles, was für den Menschen wirklich wichtig ist, ist uns bereits in Christus geschenkt, der auch heute noch uns um Seinen Tisch versammelt und uns mit dem Brot des Lebens nährt. Und um das tägliche Brot weiß Er Selbst noch bevor wir darum bitten. Denn Er hat gesagt: „Sucht aber zuerst sein Reich und seine Gerechtigkeit, und dies alles wird euch dazugegeben werden“ (Mt 6,33). Amen.

Geschrieben von Roman Bannack, Priester