Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes!
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn! Das heutige Evangelium stellt uns vor ein vertrautes Bild: Ein verzweifelter Vater bringt seinen Sohn zu Christus: „Ich habe deine Jünger gebeten, ihn (den stummen Geist) auszutreiben, und sie konnten nicht“ (Mk 9,18).
Und der Herr antwortet mit für uns so schweren Worten: „O du ungläubiges Geschlecht … wie lange soll ich bei euch sein?“ (Mk 9,19).
In diesen Worten liegt nicht nur ein Vorwurf an die Jünger. In ihnen offenbart sich etwas Tieferes: Der Glaube, um den es hier geht, ist nicht einfach die Gewissheit, dass Gott helfen kann. Der Vater glaubt ja – sonst wäre er nicht gekommen. Und doch sagt er: „Ich glaube, Herr; hilf meinem Unglauben!“ (Mk 9,24).
Diese Zwiespältigkeit ist eine ziemlich genaue Beschreibung des menschlichen Herzens.
Auf der einen Seite wenden wir uns an Gott, beten, bitten. Auf der anderen Seite bleibt im Inneren Zweifel, Angst, Unsicherheit: Werden wir überhaupt erhört, wird Hilfe kommen, wird sich etwas ändern?
Und in diesem Zustand können die Worte Christi über Gebet und Fasten leicht als Hinweis auf eine bestimmte Methode missverstanden werden, als gäbe es ein Mittel, das wirken müsse. Doch das Evangelium zeigt etwas anderes. Gebet und Fasten sind keine Handlung, die von selbst ein Ergebnis bringt, sondern ein Weg, auf dem der Glaube allmählich ganz wird.
Nicht zufällig gedenkt die Kirche an diesem Tag des heiligen Johannes Klimakos. Sein Symbol ist die Leiter, die zum Himmel führt. Doch wichtig ist, dass diese Leiter nicht einfach eine Aneinanderreihung von Anstrengungen von unten nach oben ist.
Die Heilige Schrift selbst gibt dieses Bild bereits: die Leiter, die Erde und Himmel verbindet (vgl. Gen 28,12f.). Und Christus selbst sagt, dass die Engel über dem Menschensohn auf- und niedersteigen (vgl. Joh 1,51). Das bedeutet, dass diese Verbindung nicht nur ein Bild, sondern Wirklichkeit ist. Sie ist in Christus selbst.
Daher ist das Aufsteigen, von dem der heilige Johannes spricht, nicht der Versuch, „zu Gott zu gelangen“, als wäre Er fern. Es ist das allmähliche Eintreten in das Leben mit Gott, der bereits zum Menschen gekommen ist.
Unser Fasten, unsere Anstrengungen und Bemühungen haben eine Grenze. Wir können nicht unendlich fasten, nicht unablässig die äußeren Leistungen steigern. Das geistliche Leben dagegen kennt keinen „Punkt“, an dem man sagen könnte: genug. Das Verlangen, bei Gott zu sein, kennt keine Grenze, und die Liebe, das Streben zu Ihm, hat keinen „Maximalwert“.
Und so wird verständlicher, warum die Jünger dem Jüngling nicht helfen konnten. Der Mangel lag nicht in Worten und nicht in Handlungen. Es fehlte eben jene innere Sammlung, die lebendige Verbindung mit Gott.
Doch wo beginnt sie?
Der Prophet Jesaja überliefert die Worte Gottes: „Ich wohne in der Höhe und im Heiligtum und bei denen, die zerschlagenen und demütigen Geistes sind, um den Geist der Demütigten zu beleben und das Herz der Zerschlagenen.“ Das heißt, in einem Herzen, das fähig ist, mit Gott zu sein.
Und dann klingen die Worte des Vaters: „hilf meinem Unglauben“ nicht mehr wie Schwäche. Sie sind der Beginn des lebendigen Glaubens. Denn der Mensch hört auf, sich nur auf sich selbst zu stützen, und wendet sich erstmals ernsthaft an Gott.
Die Große Fastenzeit neigt sich bereits ihren letzten Wochen zu. Und in dieser Zeit bietet uns die Kirche keine neuen Regeln oder Erschwernisse an. Sie zeigt: Es kommt nicht darauf an, wie viele Stufen bereits erklommen worden sind.
Wichtig ist, ob in uns diese Bewegung zu Gott hin ist, die nicht aufhören darf, selbst wenn wir unsere Schwäche spüren.
Der Herr türmt ja keine Berge vor uns auf und sagt nicht einfach: „Viel Glück, versucht, den Gipfel zu erklimmen – nur wenige werden es schaffen.“ Im Gegenteil, Er sagt: „Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid! Ich will euch erquicken. Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir, denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen. Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht“ (Mt 11,28-30).
In Christus finden wir Ruhe – den Weg, die Leiter zum Himmelreich, wir können sie in Ihm und mit Ihm finden und gehen. Und wir brauchen uns nicht zu ängstigen, dass uns die Kraft, die Reinheit und die Sammlung fehlen. Wir müssen ein demütiges Herz erlangen und zu Christus fliehen – Er hebt uns empor, Er öffnet den Weg ins Reich.
Und dann setzt sich der Weg fort. Nicht weil unsere Kraft ausreicht, sondern weil Christus Selbst uns annimmt und führt.
Und vielleicht ist das wahrhaftigste Gebet in dieser Fastenzeit jenes schlichte Wort aus dem heutigen Evangelium, in dem sich Glaube, Schwachheit und Hoffnung ausdrücken: „Ich glaube, Herr; hilf meinem Unglauben!“ Amen.