Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes!
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn, heute haben wir aus dem Evangelium gehört, wie der Herr auf dem Weg nach Jerusalem den Jüngern zum dritten Mal offenbart, dass Ihn Verrat, Schmach, Tod und Auferstehung erwarten. Er spricht offen und ausführlich darüber. Und im gleichen Moment kommt die Bitte der Jünger Jakobus und Johannes, ihnen den Platz zu Seiner Rechten und Linken in Seiner Herrlichkeit zu geben. Als ob die Worte vom Kreuz an ihnen vorübergegangen wären.
Dieser Bruch zwischen dem Wort Christi und den Erwartungen der Jünger ist nicht nur ihre Geschichte. Er ist uns sehr vertraut. Christus spricht vom Opfer, vom Kelch, vom Weg durch das Leiden. Und der Mensch spricht von seinem Platz, von Bedeutung, von Belohnung.
Der Herr antwortet unerwartet streng: „Ihr wisst nicht, um was ihr bittet.“ Und dann kommt etwas noch Wichtigeres: Selbst denen, die Seinen Kelch trinken werden, wird keine „garantierte“ Belohnung versprochen. „Denn das zu geben, steht nicht bei mir, sondern denen ist es bereitet“, sagt Christus.
Es zeigt sich: Im Himmelreich kann man sich keine Vorzüge verdienen, es gibt keinen „Tarif“, nach dem wir uns irgendeine Leistung aussuchen und vollbringen könnten, um dann auf eine Belohnung zu hoffen! Und doch denken wir oft: Ich werde Verbeugungen machen, eine Kerze anzünden, ein Gebet sprechen, und dann werde ich gesund sein, kein Leid kennen oder mir werden sogar „die Sünden vergeben“. Aber wenn wir auf einen solchen Handel hoffen, betrügen wir uns selbst - wir ändern uns dadurch ja nicht.
Denn die Verbeugungen, Gebete und Kerzen brauchen wir zuallererst für uns selbst, nicht für Gott, und das, um uns auf das einzig Richtige auszurichten: „Gib mir, mein Sohn, dein Herz“, spricht der Herr zu uns (Spr 23,26). Das Herz aber ist der Anfang und die Wurzel all dessen, was wir denken, sagen und tun. Und wenn sich darin nichts ändert, bleibt auch alles andere beim Alten. Alles, was ohne Beteiligung des Herzens geschieht, wird zur Verstellung. Dann hört der Glaube auf, Glaube zu sein, die Liebe hört auf, Liebe zu sein, und alles verwandelt sich in Heuchelei.
Deshalb bleibt die Große Fastenzeit, die wir auch Zeit der Umkehr nennen, für viele, selbst für Gläubige, äußerlich: Die Speisen ändern sich, die Gottesdienste werden häufiger, die Verbeugungen kommen hinzu. Doch dann kommt Ostern – und alles kehrt an seinen alten Platz zurück. Dann wird die Fastenzeit einfach zu einem Zeitabschnitt, den man irgendwie „überstehen“ muss und der nirgendwo hinführt.
Selbst wenn wir bei der Beichte unsere Sünden bekennen, bleiben wir manchmal die Gleichen. Oft kämpft ein Mensch wirklich gegen die Sünde, fällt und steht wieder auf. Es kommt aber auch vor, dass sich dasselbe immer wieder wiederholt, ohne inneren Widerstand, wenn die Sünde zwar benannt wird, der Mensch aber nicht von ihr ablässt und sie an ihrem Platz verbleibt. Dann wird die Beichte allmählich zur Gewohnheit, fast zu einer „Prozedur“ vor der Kommunion.
Umkehr aber ist ein Änderung der Denkweise und eine Veränderung des Lebens. Und genau deshalb stellt uns die Kirche heute das Bild der heiligen Maria von Ägypten vor Augen. Ihre Umkehr war echt: Es gab einen Moment, in dem alles alte abbrach. Das frühere Leben hörte auf, und ein neues begann.
Darin besteht die Umkehr in ihrem eigentlichen Sinn: nicht nur das Eingeständnis dessen, dass man nicht einem Ideal entspricht, sondern die entschiedene Umkehr der Richtung.
Das Himmelreich kann man sich nicht durch äußere Anstrengungen „verdienen“. Und deshalb verschwindet eine Sünde, die wir über Jahre nicht einmal zu verlassen versuchen, nicht von selbst – egal wie oft wir sie auch bei der Beichte benennen. Das Himmelreich wird nicht für die Menge einzelner religiöser Handlungen gegeben. Es eröffnet sich dort, wo der Mensch aufhört, berechnend zu sein, wo er sich wirklich von seinen Sünden abwendet und damit beginnt, Christus zu vertrauen.
Die heilige Maria von Ägypten konnte Gott nichts „vorweisen“. Sie ging nicht in die Wüste, um sich das Paradies zu „verdienen“, sondern weil sie Christus begegnet war. Sie fragte nicht nach Garantien. Sie folgte einfach Christus. Und es zeigte sich, dass keine Sünden der Vergangenheit den Weg zu Gott verwehren können, wenn ein aufrichtiger Wille zur Veränderung vorhanden ist.
Die Große Fastenzeit geht ihrem Ende entgegen, aber wir sollen ja nicht aufhören, Christus zu folgen. Lasst uns nicht mit dem Herrn „handeln“, sondern versuchen, Ihm unser Leben anzuvertrauen, so wie es die heilige Maria getan hat. Dann wird Ostern, die Auferstehung Christi, nicht einfach das Ende einer für uns unbequemen Zeit sein, sondern wirklich der Anfang eines neuen Lebens. Amen.