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Predigt zum 2. Sonntag der Großen Fastenzeit (2026)

Mk 2:1-12

Roman Bannack, Priester | Zugriffe: 30
Predigt zum 2. Sonntag der Großen Fastenzeit (2026)

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes!

Im Herrn geliebte Brüder und Schwestern! Das heutige Evangelium (Mk 2,1–12) berichtet uns von der Heilung eines Gelähmten. Seine Freunde, die an die Kraft Christi glaubten, deckten das Dach des Hauses ab und ließen den Kranken zu den Füßen des Erlösers hinab. Diese Geschichte ist anschaulich und tiefgründig in ihrem Gehalt.

Hier offenbart sich uns zum Beispiel der Zusammenhang zwischen Glaube und Wunder. Gewöhnlich neigt man ja zu der Annahme, dass der Glaube überhaupt erst aus wunderbaren Ereignissen entsteht. Und wie schnell verfallen wir in Kleinmut, wenn das Wunder ausbleibt, wenn wir nicht das erhalten, worum wir Gott bitten. Beim Herrn aber verhält es sich, wie sich zeigt, genau umgekehrt: Das Wunder wird zur Antwort auf einen starken und lebendigen Glauben.

Als „Glauben“ bezeichnet der Herr hier aber das Tun, die tätige Hilfe für den Nächsten. Glaube ist nicht nur das Nachdenken über Gott und nicht nur das Eingeständnis, dass Er existiert. Glaube ist in den Augen des Herrn die Tat, die Aufopferung, manchmal sogar die verzweifelte Handlung für einen anderen Menschen.

Darüber hinaus sehen wir, dass der Glaube der einen anderen helfen kann. Der Herr heilt den Gelähmten, als er „ihren Glauben sieht“, das heißt den Glauben jener vier Freunde, die so sehr vertrauten, dass sie das Dach abdeckten und den Kranken direkt zu den Füßen Christi niederließen. Ihr Glaube half dem, der selbst nichts mehr tun konnte.

Und mit welchen Worten wendet sich der Herr an den Gelähmten? Er sagt: „Kind, dir sind die Sünden vergeben!“ Einige Schriftgelehrte hielten dies für Gotteslästerung, denn nur Gott kann Sünden vergeben. Damit hatten sie Recht. Doch der Herr Jesus Christus ist wahrer Gott und wahrer Mensch und besitzt die göttliche Vollmacht, Sünden zu vergeben. Und Er nennt den Gelähmten „Kind“, wie ein liebender Vater.

Nicht selten erwarten wir von Gott in erster Linie Wunder. Aus Glauben zu handeln – das heißt, auf eigene Gewohnheiten, auf die eigene Bequemlichkeit zu verzichten – fällt uns oft schwer.

Doch der Herr Jesus Christus ruft uns auf, Ihm nachzufolgen, und die Wunder erweist Er als Zeichen des Reiches Gottes. Beachten wir: Das Wunder der Heilung vollzieht sich nach der Glaubenstat und durch die Vergebung der Sünden.

Wenn wir zur Beichte kommen, hören wir am Ende fast dieselben Worte, die heute im Evangelium erklangen: „Kind, dir sind die Sünden vergeben.“ So heilt der Herr Jesus Christus den Menschen bis zum heutigen Tag.

Doch zuvor richtet Er gleichsam an jeden von uns die Frage: „Was soll ich für dich tun?“ Diese Frage stellte der Herr den Menschen, bevor Er sie heilte (vgl. Mt 20,32; Lk 18,41; Mk 10,51). Stellen auch wir uns diese Frage: Was erbitte ich persönlich vom Herrn? Was suche ich, wenn ich meine Sünden bekenne?

Wenn die Antwort nur lautet: „Das muss man eben vor der Kommunion tun“ oder „Das ist halt so Vorschrift“, – dann werden wir wohl kaum etwas Größeres empfangen. Aber wollen wir tatsächlich Vergebung der Sünden? Wollen wir die Heilung unserer Seele? Wollen wir lernen, den Nächsten zu vergeben? Wünschen wir, dass Christus in unseren Herzen wohnt und wir auf ewig bei Ihm sein mögen? Oder brauchen wir einfach nur ein Wunder?

Liebe Brüder und Schwestern, in den Tagen der Großen Fastenzeit lasst uns daran denken, dass wir danach streben, Gott zu finden. Wir haben die Fastenzeit mit der gegenseitigen Vergebung begonnen, damit auch der Herr uns unsere Sünden vergibt. Das heutige Evangelium erinnert uns daran, dass die Heilung mit dem Glauben und mit der Vergebung der Sünden beginnt. Darum sollen wir nicht nach Wundern an sich streben, sondern nach einer wirklichen Begegnung mit dem Herrn.

Nicht zufällig ist der zweite Sonntag der Großen Fastenzeit dem Gedenken an den heiligen Gregor Palamas gewidmet. Der Heilige lehrte: Gott offenbart sich nicht in abstrakten Überlegungen, sondern in der Erfahrung der lebendigen Begegnung, und die Gnade Gottes ist nicht einfach nur Seine Hilfe, sondern die Gnade ist nichts anderes als Gott Selbst, der im Menschen wirkt.

Gregor Palamas sagte, dass die Erlösung die Verklärung des Menschen selbst ist, die Teilhabe am Leben Gottes, das, was die Kirchenväter Vergöttlichung nennen.

Deshalb ruft uns die Kirche so nachdrücklich zu Fasten, Gebet und Umkehr – nicht weil Gott unsere Aufopferungen bräuchte, sondern weil durch sie das Herz des Menschen fähig wird, Seine Gnade aufzunehmen.

Mit anderen Worten: Gott vergibt dem Menschen nicht einfach die Sünden und tritt dann wieder zurück, um weiter zuzusehen. Er will den Menschen heilen und verklären, ihm die Gottähnlichkeit zurückgeben, die ihm bei der Erschaffung gegeben war (vgl. Gen 1,26) und die infolge der Sünde verlorenging.

Möge der Herr in uns einen lebendigen und tätigen Glauben erwecken; und mögen auch wir einst Seine Stimme hören: „Deine Sünden sind dir vergeben; steh auf und geh!“ Amen.

Geschrieben von Roman Bannack, Priester