Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes!
Liebe Brüder und Schwestern, die heutige Evangeliumslesung führt uns erneut zurück zur bekannten Geschichte des Zachäus, des Oberzöllners, eines reichen Bewohners Jerichos. Diese Geschichte erklingt in der Kirche jetzt nicht ohne Grund: Sie steht an der Schwelle der vorbereitenden Sonntage auf die Große Fastenzeit und wird zur ersten Erinnerung daran, dass vor uns eine Zeit der genaueren Selbstprüfung liegt.
Zachäus ist ein Mensch mit einem schlechten Ruf. Er wird verachtet, man hält ihn für habgierig und unrein, für einen Menschen, der mit der Besatzungsmacht verbunden ist. Er ist klein von Gestalt, und die Menge lässt ihm nicht einmal die Möglichkeit, Christus zu sehen. Doch der Wunsch, den Herrn zu sehen, erweist sich als stärker als die Scham, stärker als die Angst vor Spott und stärker als die Sorge um die eigene Würde. Zachäus steigt auf einen Baum – eine Tat, die in den Augen der Umstehenden lächerlich und seiner gesellschaftlichen Stellung unwürdig erscheint. In diesem Moment legt er seine äußere Wichtigkeit ab und bleibt nur ein Mensch, der sich nach einer Begegnung sehnt.
Und genau ihn hält der Herr mit seinem Wort an: «Zachäus, steig schnell herab! Denn heute muss ich in deinem Haus einkehren.» Diese Worte verwundern. Christus wartet nicht auf eine Einladung, stellt keine Bedingungen, spricht keine Anklagen aus. Er spricht von einer Notwendigkeit – «muss». Der, der nichts nötig hat, hält es für notwendig, ins Haus eines Menschen einzukehren, den alle für unwürdig halten.
Im Haus des Zachäus erklingen die Worte, die wir gewohnt sind als ein Bekenntnis und ein entschlossenes Versprechen von Veränderung zu hören: «Siehe, Herr, die Hälfte meiner Habe gebe ich den Armen, und wenn ich jemand betrogen habe, gebe ich es vierfach zurück.» Das ist viel mehr, als das Gesetz des Mose forderte, wo es heißt, dass der Schuldige «das Gestohlene voll ersetzen und noch ein Fünftel hinzufügen» soll (Lev 6,5). Die Reue des Zachäus beschränkt sich nicht auf Bedauern oder Schuldbekenntnis – sie sucht sofort den Ausweg in Taten, in der Wiederherstellung der verletzten Gerechtigkeit.
Das Murren der Menge – ein wichtiges Detail der Erzählung. Die Leute sind nicht über die Sünde des Zachäus empört, sondern darüber, dass Christus in sein Haus einkehrt. Sie haben bereits ihr Urteil über ihn gefällt. Doch da spricht der Herr die Worte, die das Zerstörte wiederherstellen: «Auch er ist ein Sohn Abrahams.» Zachäus erweist sich nicht als Fremder, sondern als einer der Ihren; nicht als Verstoßener, sondern als Zurückgeführter. Das Heil hier ist nicht nur Vergebung, sondern auch Wiederherstellung der Gemeinschaft mit Gott und mit den Menschen.
Wir sehen, dass der Herr denen entgegeneilt, die die Maske ihres Status, ihrer scheinbaren Wichtigkeit und der Selbstüberschätzung ablegen. Zachäus aber sah den Herrn, der zu ihm kam, und das veränderte sein Herz.
Wir, Brüder und Schwestern, gleichen oft dem Zachäus: Wir nutzen wie er ein System, das es uns erlaubt, auf Kosten der Not anderer zu leben. Für den Komfort gehen wir Kompromisse mit dem Gewissen ein. Aber besitzen wir auch den Eifer, mit dem er danach strebte, Christus zu sehen? Wenn wir in uns Unrecht feststellen, streben wir dann danach, das von uns verursachte Übel tätig wieder gutzumachen?
Wir gleichen oft auch der murrenden Menge aus der heutigen Evangeliumserzählung: Wir stehen neben Christus, hören Sein Wort, eifern um die Gerechtigkeit, fürchten uns, betrogen zu werden – aber genau deshalb beginnen wir so schnell zu richten, für den anderen zu entscheiden und ihm die Türen zu verschließen. Christus rechtfertigt nicht die Sünde und stößt den Menschen doch nicht von Sich, indem Er in ihm das sieht, was unserem übereilten Blick verborgen ist.
Das Evangelium über Zachäus lehrt uns Vorsicht im Urteil und Entschlossenheit im Streben nach der Begegnung mit Christus. Es bereitet uns auf die Große Fastenzeit vor, indem es einfache Fragen stellt:
Bin ich bereit, aufzuhören zu murren und zu verurteilen?
Bin ich bereit, einen Schritt auf den Herrn zuzumachen, auch wenn dieser Schritt unbequem ist?
Gibt es in meinem Leben etwas, das ich «vierfach ersetzen» müsste? Wem habe ich Leid angetan? Wessen Arbeit nutze ich ungerecht?
Und wenn sich eine Antwort findet – wollen wir es nicht aufschieben.
Der Herr schenke uns, dass wir nicht jenen Durst, Ihn zu sehen, in uns ersticken; er trieb nämlich Zachäus auf den Baum und kann auch heute einen Menschen zum Heil führen. Amen.