Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes! Christus ist auferstanden!
Die heutige Evangeliumslesung über die Samariterin am Jakobsbrunnen ist eine der tiefgründigsten und erstaunlichsten im gesamten Johannesevangelium. In ihr entfaltet sich der ganze Weg eines Menschen zu Gott. Der Herr führt die Samariterin Schritt für Schritt zum Verständnis dessen, wer Er in Wahrheit ist.
Das Gespräch beginnt mit Misstrauen. Die Samariterin wundert sich schon allein darüber, dass Christus überhaupt mit ihr redet: „Wie kannst Du, der Du ein Jude bist, von mir, einer Samariterin, Wasser zu trinken verlangen?“ Zwischen Juden und Samaritern herrschte eine jahrhundertealte Feindschaft. Für sie ist Christus zunächst nur ein „Jude“, ein fremder Mensch, ein Vertreter eines anderen, ja feindlichen Volkes.
Doch der Herr spricht zu ihr vom lebendigen Wasser, eröffnet ihr etwas Größeres als die alltäglichen Sorgen. Und die Frau wendet sich nun anders an Ihn: „Herr!“ Dann, getroffen von Seinen Worten, fragt sie: „Bist Du etwa größer als unser Vater Jakob?“ Danach beginnt sie vom kommenden Messias zu reden. Und schließlich hört sie von Christus selbst: „Ich bin es, der mit dir redet.“
So vollzieht sich ihr Weg zum Glauben Schritt für Schritt. Vom Fremden zum Propheten, vom Propheten zum Messias. Und die heutige Lesung endet mit den Worten der Samariter, die Christus als den „Retter der Welt“ bekennen.
Doch ist es wichtig zu beachten, wann die Samariterin beginnt, Christus wirklich zu erkennen. Nicht als sie über religiöse Streitfragen und den richtigen Ort der Gottesverehrung nachdenkt, sondern als der Herr ihr die Wahrheit über ihr eigenes Leben offenbart.
Christus sagt unerwartet zu ihr: „Geh, rufe deinen Mann.“ Und die Frau muss ehrlich eingestehen: „Ich habe keinen Mann.“ Der Herr enthüllt ihre Vergangenheit – und sie hört auf, sich hinter Gesprächen über Riten zu verstecken, und blickt ohne Beschönigung auf ihr Leben. Gerade in dieser Wahrheit über sich selbst wird die Möglichkeit eröffnet, den zu erkennen, der vor ihr steht.
Gotteserkenntnis beginnt nicht mit abstrakten Überlegungen, sondern mit einem ehrlichen Blick auf sich selbst angesichts Christi. Erst jetzt beginnt die Samariterin zu verstehen, dass kein einfacher Mensch vor ihr steht. Sie erkennt den Retter in demselben Moment, als sie aufhört, sich vor der Wahrheit über ihr eigenes Leben zu verstecken.
Das ist eine sehr wichtige Lehre auch für uns. Denn auch unser Glaube kann sich unbemerkt auf bloße Gespräche über Äußerlichkeiten reduzieren: was richtig ist, wo es richtig ist, was erlaubt und was verboten ist. Man kann die Kirchenregeln verinnerlicht haben, sich gut mit den Riten auskennen, über Fasten und Gottesdienst diskutieren – und dabei für die Buße und einen ehrlichen Blick auf sich selbst verschlossen bleiben.
Und dann bekommt das Gespräch über den Ort der Anbetung eine ganz andere Bedeutung: „Es kommt die Zeit und ist schon da, wo die wahren Anbeter den Vater anbeten werden im Geist und in der Wahrheit.“ Vor Christus strebte der Mensch danach, sich Gott durch den Tempel, Opfer und Riten zu nähern. Doch in Christus kommt Gott selbst zum Menschen.
Daher reduziert sich der christliche Glaube nicht auf religiöse Riten oder die Zugehörigkeit zu einem bestimmten Volk oder einer Tradition. Christus ist nicht gekommen, um den Menschen einfach ein neues Gesetz oder einen neuen Kult zu geben. Er selbst wird zum Ort der Begegnung zwischen Gott und Mensch. Durch Ihn wird die Schranke zwischen Schöpfer und Geschöpf niedergerissen.
Darum lässt die Samariterin ihren Wasserkrug stehen und läuft in die Stadt. Das, weswegen sie zum Brunnen gekommen war, verliert plötzlich seine Bedeutung. Und es ist kein Zufall, dass gerade die Samariter – Menschen, die man für Irrgläubige hielt – Jesus als Erste als den „Retter der Welt“ bekennen. Nicht als den Bewahrer einer bestimmten Tradition, sondern als den, der jeden rettet.
Dasselbe hörten wir auch in der heutigen Apostellesung. In Antiochia begannen sich nun nicht nur Juden, sondern auch Griechen (also Heiden) zu Christus zu bekehren, und genau dort wurden die Jünger zum ersten Mal Christen genannt. Die Kirche ist von Anfang an an alle gerichtet, ohne Unterschied des Blutes, der Sprache oder der Kultur.
Man kann den Glauben leicht auf bloße Regelbefolgung reduzieren und dabei innerlich Leere mit Angst vor Verurteilung tragen. Aber Gott erwartet vom Menschen nicht äußere Fehlerlosigkeit, sondern Aufrichtigkeit. Wenn wir aufhören, uns zu rechtfertigen, und ehrlich unsere eigene Schwachheit sehen, wendet sich der Herr nicht von uns ab.
Und das heutige Evangelium erinnert uns daran: Das lebendige Wasser Christi wird jedem Menschen geschenkt, der aufhört, sich vor der Wahrheit zu verstecken, und nicht nur nach Riten sucht, sondern nach Gott selbst. Amen.
Christus ist auferstanden!