predigt

Predigt am Gedenktag des heiligen Großmärtyrers Georg des Siegreichen (2026)

Apg. 12:1-11; Joh. 15:17-16.2

Roman Bannack, Priester | Zugriffe: 84
Predigt am Gedenktag des heiligen Großmärtyrers Georg des Siegreichen (2026)

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes! Christus ist auferstanden!

Liebe Brüder und Schwestern, heute preisen wir den heiligen Großmärtyrer Georg den Siegreichen.

Der heilige Großmärtyrer Georg wurde in Kappadokien geboren und gehörte den obersten Schichten der römischen Gesellschaft an. Sein Vater Gerontios war ein vornehmer Krieger, der eine hohe Stellung bekleidete, und seine Mutter Polychronia stammte aus einer reichen und frommen Familie. Georg wuchs in Wohlstand und Ehre auf, erhielt eine gute Bildung und zeichnete sich früh im Militärdienst aus. Dank seiner Fähigkeiten erreichte er rasch eine hohe Stellung und wurde einer der Vertrauten Kaiser Diokletians.

Die Gestalt Diokletians verdient besondere Aufmerksamkeit, um den Kontext dieser Epoche besser zu verstehen. Im Unterschied zum heiligen Georg stammte er aus den untersten Schichten der Gesellschaft: Sein Vater war ein einfacher Schreiber, ein Freigelassener. Diokletian besaß einen selten starken Willen und Fähigkeiten, die es ihm ermöglichten, den Weg vom einfachen Legionär zum Herrscher eines gewaltigen Reiches zu nehmen. Er führte umfassende Reformen durch, suchte den Staat zu festigen und die alten Kulte wiederherzustellen, denn er war der Ansicht, dass darin die Einheit Roms liege. Daher schien ihm der Glaube an Christus gefährlich zu sein, und gerade unter ihm begann eine der grausamsten Christenverfolgungen.

Als der Befehl zur Verfolgung der Christen erlassen wurde, bekannte Georg vor dem Kaiser offen seinen Glauben und prangerte die Ungerechtigkeit dieser Entscheidung an. Daraufhin wurde er ergriffen, gefoltert und, ohne Christus abzuschwören, hingerichtet. Äußerlich sah dies wie eine völlige Niederlage aus: Der junge Heerführer verlor alles – seine Titel, seine Freiheit, seine Gesundheit und sogar sein Leben.

Diokletian hatte den Gipfel irdischer Macht erreicht, und seine Stärke war für alle offenkundig. Auch Georg kannte die Stärke – er war ein Krieger, ein vornehmer, erfolgreicher Mann, der Stellung und Einfluss besaß. Aber als er sich den Leiden gegenübersah und alles verlor – Macht, Schutz, selbst die Möglichkeit, sein Leben zu bewahren –, da offenbarte sich die Kraft Christi.

Menschliche Stärke, mag sie noch so groß sein, hat stets ihre Grenzen. Sie wirkt, solange Gesundheit, Stellung und Möglichkeiten vorhanden sind. Doch sie versiegt im Angesicht von Leid und Tod. Die Kraft Christi aber hört auch dort nicht auf.

Der heilige Großmärtyrer Georg befand sich in Gefangenschaft und unter Qualen – und erwies sich als stärker als der Herrscher der Welt. Aller äußeren Handlungsmöglichkeiten beraubt, zeigte er eine Kraft, die man ihm nicht nehmen konnte.

Darum nennt ihn die Kirche den Siegreichen – nicht wegen militärischer Siege, sondern weil er standhielt, wo menschliche Stärke vergeht.

Dieses Bild bleibt uns als Erinnerung daran, wo wir wahre Festigkeit suchen sollen. Nicht in dem, was einen Menschen in den Augen anderer stark macht, sondern in dem, was ihm bleibt, selbst wenn ihm alles Äußere genommen wird.

Der Herr spricht durch den Apostel: „Meine Kraft vollendet sich in der Schwachheit“ (2. Korinther 12,9). Und im Leben der Heiligen sehen wir, dass dies Wirklichkeit ist.

Darum erkennen wir auch heute, indem wir auf den heiligen Großmärtyrer Georg blicken, nicht nur den Mut eines Kriegers der Antike, sondern das Geheimnis der Kraft Christi: Sie schwindet nicht in der Schwachheit, sondern gerade in ihr zeigt sie sich. Und wenn der Mensch Christus treu bleibt, dann ist er selbst in den schwersten Umständen nicht kraftlos – sondern beginnt erst dann, wirkliche Kraft zu besitzen.

Heiliger Großmärtyrer Georg, bitte Gott für uns. Amen.

Geschrieben von Roman Bannack, Priester