Die neue russische Kirche in Dresden

Der folgende Artikel erschien 1874 in der Wochenzeitung "Über Land und Meer" anlässlich der Erbauung und Weihe der Kirche des hl. Simeon vom Wunderbaren Berge. Bis auf ein fehlendes Textfragment wird er hier zur Dokumentation - in unveränderter Rechtschreibung - wiedergegeben. Die im Artikel vorkommenden faktischen Fehler werden durch Fußnoten kommentiert.

 

"Am 5. Juni fanden die Einweihungsceremonieen der neuen russischen Kirche statt, welche sich in Dresden am Ausgang der Reichsstraße erhebt und in einem Zeitraum von kaum zwei Jahren in ihrer ganzen Stattlichkeit und Schönheit aus dem Boden gewachsen ist...

Quelle: Hl. Hieromärtyrer Ilarion (Troizkij), "Briefe über den Westen", Dritter Brief

Hieromärtyrer Ilarion (Troizkij)
...Diese Begebenheit war in Dresden. Es war Sonntag. (...) Ich war zur Liturgie in der orthodoxen Kirche. Es ist immer besonders angenehm, in der Fremde einem orthodoxen Gottesdienst beizuwohnen. Nach der Liturgie fuhr ich mit der Straßenbahn ins Zentrum der Stadt. Und da sehe ich - fast der ganze Straßenbahnwaggon war mit den Gläubigen der orthodoxen Kirche angefüllt. Man hörte überall nur Russisch. Hier saß ebenso irgendein Priester im Talar und mit Brustkreuz. (Ich war damals noch in unanständiger, soll heißen, in weltlicher Kleidung!) Das war so wunderbar!




Die Reisen, welche in den "Briefen über den Westen" von Hieromärtyrer Hilarion beschrieben sind, haben sich 1912 abgespielt. Wahrscheinlich war der "irgendein Priester" Erzpriester D. N. Jakchitch, der damalige Gemeindevorsteher.

Hl. Simeon vom Wunderbaren Berge

Die vorliegende Vita des heiligen Simeon vom Wunderbaren Berge ist aus dem rumänischen Menaion übersetzt und stellt die vollständige erhaltene Version dar (im russischen Menaion findet sich lediglich eine Kurzfassung) - und obwohl in dieser Vita selbst davon die Rede ist, dass es noch eine ausführlichere Version geben muss ("Und Simeons Wunder sind im Buch seines Lebens ausführlich beschrieben. Hier aber werden nur wenige seiner Wunder erwähnt, um niemanden, der dies liest und hört, zu langweilen."), so ist diese nicht bekannt. Die Vita wurde im 7. Jahrhundert verfasst und ist vom Genre her eine klassische Heiligenlegende. Aus dem Rumänischen übersetzt von Nicoleta Gabriela Gheorghe.

Ein Teil der Reliquien des hl. Simeon vom Wunderbaren Berge findet sich im Neamts-Kloster in Rumänien.

Menaion vom 24. Mai

Der gottesfürchtige Simeon vom wunderbaren Berge

Ein gewisser junger Mann namens Johannes kam mit seinen Eltern aus Edessa nach Antiochien. Als Johannes Eltern eine schöne Frau namens Martha kennengelernt hatten, baten sie die Eltern des Mädchens darum, dass Martha die Frau ihres Sohnes werden möge. Ihre Eltern willigten ein, Martha jedoch wollte Braut Christi werden und ihre Jungfräulichkeit unversehrt bewahren. Weil ihre Eltern sie aber zur Heirat zwingen wollten, lief Martha in die Kirche, die sich vor der Stadt Antiochien befand und bat Gott unter Tränen darum, ihr ihren Weg aufzuzeigen. Dort wurde ihr offenbart, den Willen ihrer Eltern zu befolgen und zu heiraten. So heiratete sie Johannes. Und sie wurde für ihn nicht nur zu einer Helferin, sondern auch seine Ratgeberin. Beide verbrachten ihr Leben im Gebet, im Fasten und Enthaltsamkeit, weil sie Gottes Wohlgefallen erlangen wollten.

Hl. Simeon vom Wunderbaren Berge

Die vorliegende Vita des heiligen Simeon vom Wunderbaren Berge ist aus dem russischen Menaion übersetzt und stellt eine Kurzfassung der ausführlichen Vita, die sich u.a. im rumänischen Menaion findet, dar. Sie wurde im 7. Jahrhundert verfasst und ist vom Genre her eine klassische Heiligenlegende.

Hl. Simeon, der Stylit vom Wunderbaren Berg (521-596 a.D.)

Der hl. Simeon der (jüngere) Stylit vom Wunderbaren Berge wurde im Jahre 521 im syrischen Antiochia als Sohn frommer Eltern, Johannes und Martha geboren. Die hl. Martha (Gedenken am 4. Juli) verschrieb sich von jungen Jahren an dem ehelosen Leben und strebte zum Mönchtum, doch ihre Eltern bestanden darauf, dass sie eine Ehe mit dem Jüngling Johannes einging. Nach eifrigem Gebet in der Kirche des hl. Johannes des Täufers wurde der Heiligen in einer Vision vermittelt, sie solle dem Willen der Eltern folgen und die Ehe eingehen. Im Familienleben bemühte sich die Hl. Martha stets, Gott und ihrem Mann stets in allem gefällig zu sein. Oft betete sie, dass ihr ein Kind geschenkt werde, und versprach, dieses dem Dienst an Gott hinzugeben. In einer Vision erschien ihr Johannes der Täufer und verkündete ihr, dass sie einen Sohn gebären werde, der sein Leben Gott widmen wird. Den Jungen, der zur Welt kam, nannten sie Simeon und er wurde im Alter von zwei Jahren getauft.

Innenansichten der Kirche

Herausgeber:
Freundeskreis Russisch-Orthodoxe Kirche zu Dresden e.V., Fritz-Löffler-Str. 19, 01069 Dresden, Telefon/Fax 0351/471 94 14

Konzept und Gestaltung: Valeria Schälike

Umsetzung für das Internet: Yevgenia Bezugla, Roman Bannack

Texte: Dr. Olga Großmann, Ljuba Pilz, Wolfgang Pilz, Valerija Schälike, Hans-Joachim Scheibe.

Material über Erzpriester Georgi Dawidow: aus einem Beitrag von Herrn Wilhelm Friedrich Bartel, Dresden, mit seiner freundlichen Genehmigung.

Fotos:

Dietrich Flechtner, Andreas Meschke, Valerija Schälike, Hans-Joachim Scheibe; Archiv der Russisch-Orthodoxen Kirche zu Dresden; Rosanow-Archiv (St. Petersburg).

Bild: Süd-Ost-Ansicht der Kirche um 1900, Foto Donadini - Sächsische Landesbibliothek, Staats- und Universitätsbibliothek Dresden, Abteilung Deutsche Fotothek.

Bild: Süd-Ost-Ansicht der Kirche um 1950 - Landeshauptstadt Dresden, Stadtplanungsamt, Bilderstelle.

Bilder: Zar Alexander II. mit Zarin Maria und Foto von Stolypin - aus dem Buch "Nikolaus II. - der letzte russische Zar", Liki-Rossii-Verlag, St. Petersburg 1998.

Bilder: Bauschluß, Frühling 1874; Portrait des Oberbürgermeisters Pfotenhauer - Stadtmuseum Dresden.

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