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Predigt zum Sonntag der hl. Myronträgerinnen (2026)

Mk. 15:43-16:8

Roman Bannack, Priester | Zugriffe: 32
Predigt zum Sonntag der hl. Myronträgerinnen (2026)

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Christus ist auferstanden!

Im Herrn geliebte Brüder und Schwestern, heute verherrlicht die heilige Kirche die heiligen Myronträgerinnen – jene Frauen, die den Herrn weder in den Tagen seiner Predigt, noch in der Stunde der Erniedrigung noch nach dem Tod verlassen haben.

Der Evangelist Markus erzählt davon mit erstaunlicher Schlichtheit. Sehr früh, bei Sonnenaufgang, gehen sie zum Grab und sagen zueinander: Wer wälzt uns den Stein vom Eingang des Grabes? Sie wissen noch nicht einmal, wie sie auch nur das nächste Hindernis überwinden sollen, und dennoch gehen sie.

Doch sie sehen, dass der Stein weggewälzt ist, gehen hinein und hören vom Engel: „Er ist auferstanden, er ist nicht hier“ (Mk 16,6). Dann aber sagt der Evangelist etwas Erschütterndes: „Und sie gingen hinaus und flohen vom Grab; denn Zittern und Entsetzen hatte sie ergriffen. Und sie sagten niemandem etwas, denn sie fürchteten sich“ (Mk 16,8).

Die heutige Evangeliumslesung endet genau so – unerwartet. Warum das Schweigen? Warum solche Furcht an der Stelle, wo eigentlich Freude sein müsste? Was war das für eine Furcht?

Es sind ja dieselben Frauen, die beim Kreuz standen, als die Jünger geflohen waren. Der Evangelist Markus nennt sie mit Namen: Maria Magdalena, Maria, die Mutter des Jakobus, und Salome – und sagt, dass sie „von ferne zuschauten“ bei der Kreuzigung Christi (Mk 15,40). Sie hatten auch keine Furcht, beim Morgengrauen zum Grab zu gehen, als die Wache den Eingang noch hätte bewachen können. Sie fürchteten weder die Römer noch die jüdischen Hohenpriester. Ihre Furcht am leeren Grab ist also von ganz anderer Art.

Denn der Mensch fürchtet sich ja nicht nur vor Gefahr. Es gibt eine Furcht anderer Art: wenn die Seele etwas berührt, was den Verstand und die gewohnte Ordnung der Dinge übersteigt. Diese Furcht, dieses Schweigen ist Ergriffenheit vor dem Heiligen.

In der Heiligen Schrift gibt es viele Beispiele dafür, dass vor dem Angesicht Gottes „alles menschliche Fleisch schweigt“: „Der HERR ist in seinem heiligen Tempel – es schweige vor ihm die ganze Erde!“ (Hab 2,20), und: „Alles Fleisch schweige vor dem HERRN; denn er hat sich aufgemacht aus seiner heiligen Wohnung!“ (Sach 2,17). Wenn der Mensch die Gottheit berührt, bleiben keine Worte. Diese Furcht ist keine Flucht, sondern Ehrfurcht.

Das leere Grab, das die Myronträgerinnen betraten, wurde zu einem Ort der Begegnung mit Gott, wo der Tod nicht bleiben konnte, sondern der Lebendige sich offenbarte. Gerade solche Frauen – erschüttert, verstummt vor diesem Geheimnis – erwählte der Herr zu ersten Zeuginnen.

Doch die ehrfürchtige Erschütterung schließt die menschliche Schwachheit nicht aus. Vor den Frauen stand noch eine andere Schwierigkeit: Wie sollten sie das Gehörte den Jüngern verkünden, die an jenem Morgen noch „aus Furcht vor den Juden“ bei verschlossenen Türen saßen (Joh 20,19)? Tatsächlich bezeugt der Evangelist Lukas: Als die Frauen den Aposteln vom leeren Grab und vom Auferstandenen erzählten, „kamen ihnen diese Worte wie leeres Gerede vor, und sie glaubten ihnen nicht“ (Lk 24,11). Die Worte derer, die nicht vom Kreuz gewichen waren, wurden von denen nicht angenommen, die noch in Furcht und Unglauben verharrten. Nicht zufällig tadelte der Herr später die Apostel „wegen ihres Unglaubens und ihrer Herzenshärte, dass sie denen, die Ihn als Auferstandenen gesehen hatten, nicht geglaubt hatten“ (Mk 16,14).

Dabei hatten die Myronträgerinnen Christus bereits in Galiläa „mit ihrer Habe“ gedient (Lk 8,3), waren ihm bis zum Ende gefolgt – und ihnen als ersten wurde das Geheimnis des Sieges über den Tod offenbart. Der Herr vertraut das Wichtigste denen an, die einfach zu Ihm gehen, ohne darüber nachzudenken, wie man sie aufnehmen wird, ohne die Folgen zu bedenken.

Die Frauen haben die Furcht überwunden und es dennoch berichtet. Sie gingen, um dem gestorbenen Meister zu dienen. Doch wer um der Treue willen zu Christus geht, begegnet Größerem, als er erwartet hat. Sie trugen Myron zum Grab – und empfingen die Botschaft vom Sieg über den Tod. Und gerade durch ihr Zeugnis hörten die Apostel zum ersten Mal die Kunde vom Auferstandenen, die dann zur weltweiten Verkündigung der Kirche wurde.

Liebe Brüder und Schwestern, lasst uns daran denken: Das gute Beispiel der Myronträgerinnen liegt nicht in etwas, das uns nicht zugänglich wäre. Es liegt in der Treue, wenn es schwer fällt; in der Liebe, wenn noch alles unklar ist; es liegt im Schritt auf Christus zu – selbst dann, wenn der Weg verschlossen scheint. Dann zeigt sich nämlich, dass uns der Herr bereits zuvorgekommen ist, das Unmögliche schon vollbracht und das, was wir fürchten, bereits besiegt hat. Amen.

Christus ist auferstanden!

Geschrieben von Roman Bannack, Priester