Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes!
Liebe Brüder und Schwestern! In der kirchlichen liturgischen Tradition ist es nicht selten so, dass der Tag nach einem großen Fest der Schlüsselfigur oder Persönlichkeit gewidmet ist, die im Mittelpunkt des gefeierten Ereignisses der Heilsgeschichte steht. Nach der Geburt Christi feiern wir beispielsweise die Synaxis der Allerheiligsten Gottesmutter. Nach der Theophanie feiern wir die Synaxis des heiligen Johannes des Täufers.
Und so begeht die Kirche nach Pfingsten den Tag des Heiligen Geistes.
Hier stellt sich jedoch eine Frage, die vielleicht nicht so einfach ist, wie es anfangs scheint: Wer ist für uns der Heilige Geist?
Über Gott den Vater fällt es uns leichter, als Person zu denken. Gott Sohn ist Mensch geworden, den Herrn Jesus Christus haben Seine Jünger gesehen und gehört. Die gesamten Evangelien sind um die Person Christi aufgebaut. Aber der Heilige Geist? Mal ist Er eine Taube bei der Taufe des Herrn, mal feurige Zungen, mal ein leises Wehen (vgl. 1 Kön 19:12), mal Wolke (vgl. Ex. 40:34-38, Matth. 17:5 u. a.) … Und es fällt dem Menschen schwer, Ihn gerade als Person zu begreifen.
Doch der Herr Jesus Christus spricht von Ihm genau als solcher: als Tröster, als Geist der Wahrheit. Und die Kirche wendet sich ebenfalls so an Ihn: „Himmlischer König, Tröster, Geist der Wahrheit … komm und wohne in uns.“
Nicht an eine unpersönliche Kraft oder Energie wendet sich die Kirche, sondern an den lebendigen Gott.
Und obwohl uns mit der Herabkunft des Heiligen Geistes auf die Jünger und Apostel Christi das tiefste Geheimnis des göttlichen Seins offenbart wird – Gott ist Dreifaltigkeit –, lasst uns nicht vergessen, dass die Kirche Christi keine Verwaltung theologischen Wissens ist. Die Kirche Christi ist der Ort, der Raum, das Reich, in dem der Mensch in das Leben Gottes selbst eintritt – durch diesen Geist, durch diese Taufe, durch diese Kommunion mit dem Leib und Blut Christi. Es ist das Reich, in dem Gott Sich Selbst den Menschen hingibt. Amen.