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Predigt zum Fest der Entschlafung der Allheiligen Gottesmutter (2026)

Phil. 2:5-11; Lk. 10:38-42, 11:27-28

Roman Bannack, Priester | Zugriffe: 18
Predigt zum Fest der Entschlafung der Allheiligen Gottesmutter (2026)

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes!

Das heutige Fest ist dem Tod gewidmet – wir gedenken dem Ende des irdischen Lebens der Allerheiligsten Gottesmutter. Aber die Kirche nennt diesen Tag Entschlafung, und der Gottesdienst ist von Freude erfüllt.

Woher kommt diese Freude? Das heutige Evangelium gibt uns einen Hinweis. Eine Frau aus dem Volk, die die Lehre Christi hört, ruft aus: „Selig der Leib, der dich getragen hat!“ Das ist natürlich – sie preist die Mutter dessen, der vor ihr die Worte der göttlichen Lehre spricht. Aber der Herr antwortet: „Selig sind, die das Wort Gottes hören und bewahren!“ (Lk 11,27–28).

Mit diesen Worten weist der Herr auf die Quelle der Seligkeit Seiner reinen Mutter hin. Sie ist nicht allein darin begründet, dass sie Christus dem Fleische nach geboren hat, sondern darin, wie sie das Wort Gottes aufgenommen hat.

Die Propheten und Gerechten des Alten Bundes hörten ebenfalls das Wort Gottes. Mose redete mit Gott wie mit einem Freund. Die Propheten trugen sein Wort zu den Menschen, oft um den Preis ihres eigenen Lebens. Durch sie wurde das Wort Gottes zu Gebot, Prophezeiung, Anklage und Gericht über das Volk. Bei der Allerheiligsten Jungfrau aber wurde das gehörte Wort Fleisch. Die Kirche sah von alters her ein Bild davon in den Sprüchen Salomos, die an den Marien-Festtagen gelesen werden: „Die Weisheit hat sich ein Haus gebaut“ (Spr 9,1). Ein Haus wird gebaut, damit man darin wohnt, damit es bereit ist, den Herrn aufzunehmen. Die Allerheiligste Jungfrau wurde durch ihr ganzes Leben, ihre Aufmerksamkeit und Reinheit zu diesem Haus, bereit, die Weisheit aufzunehmen, welche sucht, wo sie verweilen kann.

Bei der Verkündigung antwortet sie dem Engel des Herrn: „Siehe, ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe nach deinem Wort!“ (Lk 1,38). Aber diese Antwort war nicht nur ein einmal gesprochenes Wort. Der Evangelist Lukas bemerkt: Sie bewahrte die Worte ihres göttlichen Sohnes in ihrem Herzen (vgl. Lk 2,19). Sie nahm das Wort Gottes auf, noch bevor sie seinen ganzen Inhalt erfassen konnte, und bewahrte es in ihrem Herzen, selbst dann, als es sich ihr noch nicht vollständig erschlossen hatte.

Der Apostel Paulus spricht heute von Christus: Er „erniedrigte Sich Selbst und wurde gehorsam bis zum Tode“ (Phil 2,8). In der Gottesmutter erklingt dieser Gehorsam gegenüber Gott bereits in ihrer Antwort an den Erzengel. Christus nimmt im Gehorsam gegenüber dem Vater den Kreuzestod auf Sich und ersteht in Herrlichkeit auf. Die Gottesmutter, die sich ganz dem Willen Gottes übergeben hatte, durchschreitet ebenfalls den Tod – und der Tod hält sie nicht fest: „Grab und Tod vermochten die Reine nicht zu halten“, singt die Kirche im Kontakion des Festes.

Und hier werden die Worte Christi über die Seligkeit unserer eigenen Lebenswirklichheit besonders nahe gebracht. Das Wort Gottes offenbart sich uns selten sofort und vollständig. Häufiger kommt es als Gebot, als Stimme des Gewissens, als ein Evangeliumsvers, der uns beunruhigt und nicht loslässt, obwohl uns noch keine Erklärung dafür einfällt. Und wir legen ein solches Wort nicht selten beiseite, bis wir eine bequeme und verständliche Erklärung dafür gefunden haben. Die Gottesmutter aber bewahrt das Wort Gottes in ihrem Herzen, auch wenn es sich ihr noch nicht erschlossen hat. So wird das Wort Gottes allmählich zum Leben des Menschen – zu jenem Leben, das der Tod nicht mehr festhalten kann.

„Selig sind, die das Wort Gottes hören und bewahren!“ (Lk 11,28). Die Allerheiligste Jungfrau und Gottesmutter hat dieses Leben in seiner ganzen Fülle offenbart. Und heute bezeugt sie uns: Das Wort Gottes führt den Menschen dorthin, wo der Tod nicht mehr ist.

Allerheiligste Gottesmutter, rette uns durch deine heiligen Gebete. Amen.

Geschrieben von Roman Bannack, Priester