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Predigt zum 7. Sonntag nach Christi Auferstehung (2026), Gedächtnis der 318 gotttragenden Väter von Nikaia

Apg. 20:16-18, 28-36; Joh. 17:1-13

Roman Bannack, Priester | Zugriffe: 21
Predigt zum 7. Sonntag nach Christi Auferstehung (2026), Gedächtnis der 318 gotttragenden Väter von Nikaia

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes!

Liebe Brüder und Schwestern, an diesem Sonntag nach der Himmelfahrt des Herrn gedenkt die Kirche der heiligen Väter des Ersten Ökumenischen Konzils.

Auf den ersten Blick mag es scheinen, als gehe es um etwas Fernes: alte Streitigkeiten, philosophische Begriffe, theologische Definitionen, die vor siebzehn Jahrhunderten formuliert wurden.

Doch dass die Kirche ausgerechnet jetzt – zwischen Ostern und Pfingsten – der Konzilsväter gedenkt, ist kein Zufall.

Denn damals ging es um Christus selbst, um die Frage, wer Er ist. Ob Der, der gekreuzigt wurde und auferstanden ist, wirklich der wahre Gott ist. Ob man in Jesus Christus Gott Selbst sehen kann. Und ob Seine Auferstehung etwas für die ganze Welt und für unser Leben bedeutet.

Denn selbst das leere Grab war an sich noch kein offenkundiges Zeugnis der Auferstehung. Die Myrrhe bringenden Frauen dachten zunächst lediglich, man habe den Leichnam weggenommen. Die Jünger waren von Furcht und Bestürzung erfüllt. Und erst allmählich, durch die Begegnungen mit dem Auferstandenen, durch die Wirkung des Heiligen Geistes, erschloss sich ihnen der Sinn des Geschehenen.

Die Wahrheit über Christus lag also nicht an der Oberfläche. Sie musste erkannt, bewahrt und so ausgedrückt werden, dass die Botschaft vom Heil nicht verzerrt wurde.

Die heiligen Konzilsväter bekannten fest, dass der Sohn Gottes „eines Wesens mit dem Vater“ ist. Denn wenn Christus nicht der wahre Gott ist, dann rettet das Kreuz die Welt nicht, der Tod ist nicht besiegt, und die Eucharistie bleibt bloße Erinnerung. Dann sähe sich der Mensch weiterhin allein Sünde und Tod gegenüber.

Heute hörten wir im Evangelium die Worte aus dem hohepriesterlichen Gebet des Herrn: „Das ist aber das ewige Leben, dass sie dich, den allein wahren Gott, und Jesus Christus, den du gesandt hast, erkennen.“ (Joh 17,3). Es geht also nicht darum, nur etwas über Gott zu wissen, sondern Ihn selbst zu erkennen, mit Ihm in Gemeinschaft und Leben zu treten.

Genau hier liegt der geistige Kern dessen, wofür die Konzilsväter eintraten. Die Kirche dieser Epoche reagierte so scharf auf Häresien, weil ein falsches Gottesverständnis unvermeidlich auch das Leben des Menschen verzerrt.

Wenn Gott zu einem fernen, philosophischen Konzept wird, verschwindet das Gebet. Wenn Christus aufhört, der lebendige Herr zu sein, wird der Glaube zur Gewohnheit. Wenn die Wahrheit aufhört, Leben zu sein, dann reduziert sich der christliche Glaube auf Kultur oder Konvention.

Wenn der Mensch hingegen Christus wirklich begegnet, dann ändert sich alles. Der Herr sagte ja nicht: „Ich kenne die Wahrheit“, sondern: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.“ (Joh 14,6).

Die heiligen Konzilsväter waren gerade deshalb groß, weil sie die Wahrheit lebten, die sie bekannten. Viele erlitten Verfolgungen, Verbannungen, Leid. Sie verteidigten den Glauben, ohne den die Welt wieder in die Finsternis des Todes versinkt.

Daher gedenkt die Kirche ihrer – und lenkt unseren Blick nach vorn, auf das kommende Reich Gottes. Dass auch das Gedächtnis der heiligen Kyrill und Methodius auf diesen Tag fällt, ist kein Zufall: Die Wahrheit über Christus ist der Kirche gegeben, damit sie von jedem Volk, jeder Generation gehört und gelebt wird.

Heute bietet die Welt ebenfalls ihre „Wahrheiten“ an: dass der Mensch selbst Gut und Böse bestimme; dass der Glaube etwas Privates bleiben solle. Doch der Christusglaube bezeugte immer etwas Größeres – nämlich dass die Wahrheit Mensch geworden und in die Welt gekommen ist, den Tod besiegt hat und in Seiner Kirche weiter wirkt.

Die Wahrheit über Christus muss die Welt im Leben der Christen sehen: darin, wie wir beten; wie wir zu vergeben verstehen; wie wir dem Evangelium nicht nur im Gotteshaus, sondern auch im Alltag treu bleiben – mitten in unserer Müdigkeit, den Streitigkeiten, den Sorgen und den täglichen Nöten.

Wir möchten die heiligen Konzilsväter anrufen, dass der Herr auch uns nicht nur die rechten Worte über den Glauben schenke, sondern auch den Mut, nach diesem Glauben zu leben – sodass Christus für uns wahrhaftig der Weg, die Wahrheit und das Leben ist.

Amen.

Geschrieben von Roman Bannack, Priester