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Hirtenwort des Patriarchen Kyrill anlässlich des Tages der Nüchternheit (2026)

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Hirtenwort des Patriarchen Kyrill anlässlich des Tages der Nüchternheit (2026)

Hirtenwort Seiner Heiligkeit des Patriarchen Kyrill von Moskau und ganz Russland anlässlich des Tages der Nüchternheit (11. September 2026)

Im Herrn geliebte, hochehrwürdige Bischöfe! Ehrwürdige Väter, liebe Brüder und Schwestern!

Heute gedenkt die Heilige Kirche des Ereignisses der Enthauptung des Täufers des Herrn, Johannes. Um der Treue zur Wahrheit Gottes willen erlitt der große Prophet den Märtyrertod durch die Hand des hartherzigen Königs. Unter der Wirkung berauschender Tränke gelangte Herodes, der ohnehin kein frommes Leben führte, wurde dadurch abgestumpft im Gefühl, [ergab] sich der Zügellosigkeit (Eph. 4,19) und mehrte die Sünde des Ehebruchs durch den Mord an einem Gerechten.

Zur Erinnerung an die Notwendigkeit, zu wachen und zu beten, auf dass wir nicht in Versuchung fallen (Mt 26,41), hat die Kirche den Tag der Nüchternheit auf dieses heutige Fest gesetzt, auf dass ein jeder, der dem heute erklungenen Lesung aus dem Evanglium Gehör schenkt, den Weg des Kampfes wider seine Schwächen und Laster beschreite. Für jene aber, die dem Frevel der Trunkenheit nachsichtig und leichtsinnig gegenüberstehen, mögen die Worte des heiligen Tichon von Sadonsk zur Warnung dienen, der da mahnt, dass der Teufel nichts so sehr liebt wie Üppigkeit und Trunkenheit, denn niemand erfüllt seinen bösen Willen so willig wie der Trunkenbold (aus: "Vom wahren Christentum").

Die Nüchternheit betrifft jedoch nicht allein den Genuss berauschender Getränke, sondern jegliche Form der Abhängigkeit: Jemand, der sich nicht von seinem Smartphone oder einem Computerspiel losreißen kann, befindet sich gleichfalls in der Fessel schädlicher Verstrickungen und Gewohnheiten und bedarf der Stärkung seines Willens. Wichtig ist, sich zu vergegenwärtigen, wie schwerwiegend die Folgen fehlender Enthaltsamkeit sind, die den Menschen zum Sklaven der Sünde machen und die Seele ertöten; darum bietet uns die Kirche an, Anteil zu nehmen an dem jahrhundertealten asketischen Erbe der heiligen Väter.

Auf die Fürbitten des großen Propheten Johannes des Vorläufers möge der barmherzige Herr uns allen verleihen, ein gottseliges Leben zu führen, die geistliche Wachsamkeit und die Reinheit des Herzens zu bewahren.

† KYRILL PATRIARCH VON MOSKAU UND GANZ RUSSLAND