Weihnachtsbotschaft von Patriarch Kirill, Januar 2019

Weihnachtsbotschaft seiner Heiligkeit, des Patriarchen Kirill von Moskau und ganz Russland, an die Bischöfe, Priester, Diakone, Mönche und an alle treuen Kinder der Russischen Orthodoxen Kirche

Im Herrn geliebte Bischöfe, hochwürdige Priester und Diakone, ihr gottliebenden Mönche und Nonnen, liebe Brüder und Schwestern!

Herzlich gratuliere ich euch allen zum großen und das Heil für die Welt bringenden Fest der Geburt unseres Herrn Jesus Christus.

Nun hören wir, wie auch die Hirten zu Bethlehem vor zweitausend Jahren, mit Freuden die triumphierenden Stimmen der Engel: "Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen" (Lk. 2:14). Indem wir diese wundersamen Worte hören, findet unser Herz Trost und wird von der Dankbarkeit gegenüber dem Schöpfer erfüllt. Der Herr und Allerhalter Selbst, der starke Gott und Vater der Ewigkeit (vgl. Jes. 9:6) kommt zu uns herab und wird in der Welt als ein einfacher Mensch geboren. Die Prophezeiung des Königs und Psalmensängers David wird wahr, der im Heiligen Geist stehend verkündete, dass "Güte und Treue einander begegnen, Gerechtigkeit und Friede sich küssen; dass Treue auf der Erde wachse und Gerechtigkeit vom Himmel schaue" (Ps. 84:11f.). Und nun ist es vollbracht: Ein Jüngling ist uns geboren, ein Sohn ist uns geschenkt (vgl. Jes. 9:6), damit ein jeder, der an Ihn glaubt, nicht verloren werde, sondern das ewige Leben habe (vgl. Joh. 3:16).

Im Verlauf ihrer Geschichte suchte die Menschheit angespannt nach Gott, sehnte sich nach der verlorenen Gemeinschaft mit ihrem Schöpfer. Als Antwort auf dieses Suchen, auf dieses Streben der Herzen und Hände gen Himmel erweist der Herr Seine Liebe zum Menschengeschlecht und streckt uns selbst Seine errettende Hand entgegen. In Christus Jesus begegnen sich endlich, nach vielen Jahrtausenden, Gott und Mensch, es vereinigen sich das Himmlische und das Irdische, und die geistliche Hoffnung der Söhne und Töchter Adams wird erfüllt.

Im Ereignis der Geburt Christi werden uns gleichzeitig Mysterium und Offenbarung zuteil, denn der menschliche Verstand kann es nicht vollständig erfassen, wie der Schöpfer und Fürsorger des Alls, der Seiner Natur nach Grenzenlose Gott in unsere durch die Sünde verunstaltete Welt herabkommt uns Sich als hilfloser Jüngling zeigt, der in einer Höhle geboren wird, in der Hirten und Vieh Zuflucht vor dem rauen Wetter suchten. Die Lobpreisung, die von den himmlischen Mächten emporgesandt, von den östlichen Weisen gepredigt und von einfachen Hirten bezeugt wurde, erklingt an allen Enden der Erde. All das eröffnet uns die Tiefe der unergründlichen Weisheit Gottes, lässt uns am verborgenen Heilsplan der Dreifaltigkeit für den Menschen teilhaben.

Nun wissen wir: Gott hat die Welt so geliebt, dass Er Seinen eingeborenen Sohn gab, dass die Welt durch ihn selig werde (vgl. Joh. 3:16f.). Nun aber, durch den Glauben gerechtfertigt, haben wir Frieden mit Gott durch unseren Herrn Jesus Christus, durch welchen wir auch den Zugang haben im Glauben zu dieser Gnade, darin wir stehen, und rühmen uns der Hoffnung der zukünftigen Herrlichkeit Gottes, ... denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unser Herz durch den heiligen Geist, welcher uns gegeben ist (Röm. 5:1-2,5).

Beugen wir uns nun mit Andacht zur bescheidenen Krippe, in welcher der stille und demütige Jüngling liegt. Beugen wir uns mit Gottesfurcht und Beben, denn hier beginnt der irdische Kreuzesweg des Herrn Jesus, hier wird unserem Heil der Anfang gelegt. Beugen wir uns und ergötzen uns, den nun Geborenen Sohn des Vorewigen Vaters preisend, an jenem unaussprechlichen und jedes Verstehen übersteigenden Frieden, der unsere Seelen erfüllt.

"Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen!" wollen wir wieder und wieder mit dem Chor der Engel singen. Die Liebe Gottes, welche sich in der Geburt des Heilands erweist, bringt den Menschen den wahren Frieden. Dieser Frieden kann nicht durch irdische Wirrnisse, politische Missverhältnisse und auch nicht durch bewaffnete Auseinandersetzungen erschüttert werden, denn im Frieden Christi lebt verborgen eine solche geistliche Macht, dass er dadurch jede irdische Not und Heimsuchung zunichte macht (vgl. beim Hl. Ignatij Brjantschaninow, Asketische Erfahrungen).

Doch wie erlangt man eine friedliche Ordnung der Seele? Wie wird man zum Träger jener großen geistlichen Gabe? Die heiligen Väter sind darin einer Meinung: Die Wirkung des Friedens Christi im Menschen ist ein wichtiges Zeichen dafür, dass der Mensch in den evangelischen Geboten verweilt. Über alles andere aber sollen wir - wie uns der Apostelfürst Paulus ermahnt - die Liebe anziehen, die das Band der Vollkommenheit ist. Dann aber wird, den Worten des Apostels zufolge, der Friede Gottes in unseren Herzen herrschen, zu welchem wir auch berufen sind (vgl. Kol. 3:14f.).

Menschen Seines Wohlgefallens sucht Gott sich - jene, die Seinen Geboten folgen, die ihren Nahen und Fernen vom Heil zeugen und die Tugenden Dessen verkündigen, der uns aus der Finsternis berufen hat in Sein wunderbares Licht (1 Petr. 2:9).

Wir wollen uns dieser hohen Berufung würdig erweisen. Wir wollen uns deshalb, da wir die ruhmreiche Geburt Christi in der Höhle geschaut haben (Kondakion 8. im Akathist zur Gebrt Christi), vom Trubel der Welt entfernen, innerlich dem Himmel zuwenden und den Schöpfer des Alls preisen, unsere Freude über den fleischgewordenen Heiland mit den uns umgebenden teilen, mit jenen, die der Fürsorge bedürfen, die verzagt oder in Bedrängnis sind.

Der Herr möge uns alle auf dem mühevollen Weg des christlichen Lebens stärken, so dass in uns weiterhin der Glaube gefestigt werde, die Hoffnung nicht versiege und die Liebe wachse; so dass, da wir in den Triumph des lichten Weihnachtsfestes eingehen, wir der Welt das große gottselige Geheimnis künden (vgl. 1 Tim. 3:16), den Menschen Trost und den gesegneten Frieden Christi bringen. Amen.

+Kirill, Patriarch von Moskau und ganz Russland
Geburt Christi
2018/2019
Moskau

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