Erzbischof Tichon in Dresden

Am Abend des 20. Februar, dem Dienstag der ersten Woche der Großen Fastenzeit, zelebrierte bischöfliche Leiter der Diözese Berlin und Deutschland, Erzbischof Tichon, die Apodipno mit dem Großen Bußkanon des hl. Andreas von Kreta in der Kirche des hl. Simeon vom Wunderbaren Berge in Dresden.

Am Gottesdienst nahmen Erzpriester Georgij Antonjuk, der Dekan des östlichen Kirchenbezirks, sowie Erzpriester Georgij Dawidow, der Vorsteher der Dresdener Gemeinde, teil.

Nach Beendigung der großen Apodipno wandte sich der bischöfliche Leiter der Diözese mit einer Predigt an die versammelten Geistlichen und die Gemeinde:

"Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes!

Die gnadenerfüllte Große Fastenzeit hat begonnen, in der jeder Christ es sich zur Pflicht macht, dem Herrn Reue über die begangenen Sünden darzubringen. Wir alles sündigen zu jeder Stunde gegen Gott, gegen unseren Nächsten und gegen uns selbst. Die Reue nun ist ein Mittel, dass uns dabei hilft, uns von den Sünden zu reinigen. Nach dem Worten der heiligen Väter ist die Reue ein Taufbecken, in dem die Seele gereinigt wird, und eine Leiter, auf der sie in jene Sphären emporklimmt, aus denen sie gefallen ist.

Die Reue muss untrennbar mit der Zerknirschung über die Sünden verbunden sein, mit dem Vergießen von Tränen. Der heilige Pimenos der Große sagte, dass wir, solange noch der Odem des Lebens in unseren Nasen ist, es schaffen müssen, unsere Sünden zu beweinen, denn nur die Tränen der Reue sind dazu imstande, die Flammen der Hölle zu löschen. Solange wir noch leben, müssen wir uns befleißigen, dieses heilige, heilbringende Mittel zu nutzen. Doch damit die Reue vollständig ist und gute Frucht bringt, muss der Mensch seine Sünde erkennen - und dafür beten wir besonders in diesen Tagen mit den Worten des Gebets des hl. Ephräm des Syrers - er muss sie erkennen und beichten.

Im Sakrament der Reue werden ohne Ausnahme alle Sünden vergeben, die der Mensch begangen hat, er muss nur wirkliche Reue zeigen und festen Vorsatz haben, nicht wieder zu diesen Sünden zurückzukehren. Auf wahre Reue muss unweigerlich eine Änderung des Lebenswandels folgen. Denn die Vergebung der Sünden schenkt der Herr Selbst, Welcher dem Reuigen Seine Gnade mitteilt, ihm Kraft gibt, sündigen Gedanken, törichten Angewohnheiten, verwerflichen Bräuchen und den übrigen Ausprägungen der Sünde zu widerstehen.

Mit dem Sakrament der Reue sind untrennbar zwei Mittel verbunden, die bei unserer innerlichen Veränderung und Verklärung behilflich sind: Fasten und Gebet. Der hl. Johannes Chrysostomos sagt, wir sollen uns nicht nur in den Speisen enthalten. Man muss sich auch von verschiedenen Arten sündiger Angewohnheiten und Neigungen enthalten, die zu unserer zweiten Natur geworden sind. Siehst du einen Bettler, so hilf ihm; triffst du einen Glücklichen, so beneide ihn nicht. Möge auch dein Auge fasten, sagt Chrysostomos, und dein Ohr, dein Mund, deine Hände und Füße, möge dein ganzer Leib fasten und zur Erfüllung der Gebote Gottes streben, zum Himmlischen Königreich, und nicht den Weg der Sünde beschreiten, der ins Verdeben führt.

Was aber ist mit dem Gebet? Das Gebet braucht Aufmerksamkeit und Andacht. Die Andacht ist vonnöten, damit der Betende immer dessen eingedenk ist, vor Wem er steht, an Wen er seine Worte richtet und bei Wem er die Vergebung seiner Sünden erbittet. Kann denn der Mensch Nutzen aus einem Gebet ziehen, wenn er den Worten des Gebets keine Aufmerksamkeit schenkt? Nein. Die Seele des Gebets, so sagt es der hl. Bischof Ignatij (Brjantschaninow), ist die Aufmerksamkeit. Ob wir unser Gebet zuhause verrichten oder an einem Gottesdienst in der Kirche teilnehmen, ob wir im Kirchenchor singen oder vor dem Altar Gottes, oder in einer fernen Ecke der Kirche stehen - das Gebet muss andächtig und aufmerksam verrichtet werden. Dann wird der Mensch die Kirche erneuert und gerechtfertigt verlassen.

Da wir das Werk der heiligen Fastenzeit durchlaufen, soll jeder, abhängig von seinen dienstlichen Verpflichtungen, von seinem Gehorsam und von seinen körperlichen Gegebenheiten, für sich das Maß seiner Enthaltung bestimmen. Die heiligen Väter haben geboten, sich in der königlichen Mitte zu halten. Man sollte so fasten, dass der Leib nicht durch übermäßiges Fasten geschwächt, aber auch nicht durch übermäßiges Essen erschwert wird. Dabei möge uns der Herr helfen!

Heute hatte ich die glückliche Gelegenheit, mit euch gemeinsam die Freude des Gebets zu teilen und zu spüren, wie gütig, menschenliebend und uns nahe der Herr ist. Wir wollen Ihm für diese Gnade, die Er uns geschenkt hat, danken. Wir wollen Seiner Liebe zu uns bis zu unserem letzten Atemzug treu bleiben, Reue zeigen, uns von unseren Sünden reinigen und unsere Askese fortsetzen.

Davon, wie wir die Große Fastenzeit beginnen, wie wir deren erste Woche verbringen, hängt die übrige Zeit des vierzigtägigen Fastens ab - so sagen es erfahrene geistliche Lehrer. Uns ist die Möglichkeit gegeben, geistlich voranzukommen, die sündigen Neigungen und Leidenschaften in uns abzutöten, unseren Willen von der Sünde zu befreien und den unsichtbaren Widersacher zu besiegen. All das ist mit der Gnade Gottes möglich, die Er den wahrhaft Reuigen, den Betenden und denen, die dazu streben, das ewige Pascha Christi in Seinem Himmlischen Königreich zu begrüßen. Amen."

Quelle: rokmp.de

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