Weihnachtsbotschaft des Patriarchen Kyrill, 2016/2017

Weihnachtsbotschaft seiner Heiligkeit Kyrill, des Patriarchen von Moskau und ganz Russland, an die Bischöfe, Priester, die Mönche und Nonnen und alle treuen Kinder der Russischen Orthodoxen Kirche

Hochgeweihte Bischöfe, ehrwürdige Priester und Diakone, ihr frommen Mönche und Nonnen, liebe Brüder und Schwestern!

In dieser heiligen Nacht grüße ich euch alle und beglückwünsche euch von ganzem Herzen zum großen Fest der Geburt Christi: dem Fest der Erfüllung der alten Verheißung von der Errettung des Menschengeschlechts, dem Fest der unaussprechlichen Liebe des Schöpfers zu Seiner Schöpfung, dem Fest der Ankunft des Gottessohnes - des Messias - in der Welt.

Im Verlauf der vergangenen Jahrhunderte ist von den heiligen Vätern viel zum Mysterium der Fleischwerdung Gottes gesagt worden. Nun horchen auch wir, gleich wie sie ehedem, auf die Worte der kirchlichen Gebete und Gesänge, wir merken mit Frömmigkeit auf die Worte der Heiligen Schrift, die von diesem wunderbaren Ereignis berichtet, und staunen immer wieder über dieses große Wunder.

In seinen Gedanken über die Geburt Christi schrieb der heilige Symeon der Neue Theologe die folgenden Worte: "Da Gott in die Welt kam (...), hat Er das göttliche Wesen mit dem menschlichen Wesen verbunden, damit der Mensch Gott werden könne, und damit in diesem Menschen, der Gott der Gnade nach wird, die Heilige Dreiheit auf geheimnisvolle Weise Wohnung nehmen kann" (10. Homilie). Der heilige Ephrem der Syrer spricht folgendermaßen über die Fleischwerdung Gottes: "Nun hat die Gottheit das Siegel der Menschheit angenommen, damit auch die Menschheit sich mit dem Siegel der Göttlichkeit schmücken kann" (Hymnen über die Geburt unseres Heilandes).

Indem wir diese weisen Worte hören, fragen wir uns: auf welche Weise können wir uns mit diesem göttlichen Siegel schmücken? Wie sollen wir Gottähnlichkeit erreichen, zu der die Menschen von der Erschaffung der Welt an berufen sind? Wie sollen wir so leben, dass Christus in uns Gestalt gewinnt (vgl. Gal. 4:19)? Die Antwort ist einfach: folgen wir den Geboten des Heilands. Gemeinsam mit dem Apostel Paulus möchte ich mich an euch alle, meine Lieben, wenden: "Einer trage des anderen Lasten, und so werder ist das Gesetz des Christus erfüllen" (Gal. 6:2). Ertragt alles in Liebe - und in euren Herzen wird die Freude einkehren, die "niemand von euch nimmt" (Joh. 16:22). "Durch eure Geduld gewinnet eure Seelen" (Lk. 21:19), und ihr werdet das ewige Leben ererben.

Wie wichtig es doch ist, dass wir Christen nicht nur andere dazu aufrufen, den hohen ethischen Idealen zu entsprechen, sondern diese Ideale auch selbst in unserem alltäglichen Leben umsetzen, und das vor allen Dingen im Dienst an unserem Nächsten. Denn dann werden wir mit Gottes Gnade die wahren Früchte des Geistes in uns tragen: Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Gütigkeit, Treue, Sanftmut, Enthaltsamkeit (vgl. Gal. 5:22).

"Lasset uns aufeinander achten, uns gegenseitig anzuspornen zur Liebe und zu guten Werken" (Hebr. 10:24). Indem wir Zwist und Zwiespalt überwinden, halten wir die überzeugendste Predigt über den geborenen Heiland und zeugen mit unseren Werken von der unbeschreiblichen Schönheit und der geistlichen Kraft des orthodoxen Glaubens.

Wir sind in das Jahr 2017 eingetreten. Uns trennen nun genau einhundert Jahre von den Ereignissen, die das Leben in Russland - eines großen, multinationalen Landes - radikal verändert und es in den Wahnsinn eines Bürgerkriegs gestürzt haben, in dessen Verlauf Kinder gegen ihre Eltern, Bruder gegen Bruder kämpften. Die darauf folgenden Verluste und das Leid, durch die unser Volk gegangen ist, waren in vielerlei Hinsicht von der Zerstörung der tausendjährigen Staatlichkeit und dem Kampf gegen den religiösen Glauben der Menschen vorherbestimmt, da daraus eine tiefe Spaltung der Gesellschaft entstand.

Mit Ehrfurcht und Andacht gedenken wir der Zeugnisse der Neumärtyrer und Bekenner der Russischen Kirche; durch ihre Gebete, so glauben wir, hat der Herr unser Volk nicht verlassen und ihm die Kraft zu großen Werken in Fleiß und Kampf gegeben, die zum Sieg im schlimmsten aller Kriege geführt haben, zum Wiederaufbau des Landes und zu Errungenschaften, die der Bewunderung würdig sind.

Wir danken dem Herrn für das der ganzen Welt offenbarte Wunder - der Auferstehung des Glaubens und der Frömmigkeit unseres Volkes, für dem Wiederaufbau der zerstörten Heiligtümer, für die neuen Kirchen und Klöster, deren Bau allein ein sichtbares Zeichen dafür ist, dass in den Herzen der Menschen tiefgreifende Veränderungen stattgefunden haben.

In den zurückliegenden Jahrzehnten unseres Lebens gab und gibt es eine Menge an Schwierigkeiten und Prüfungen. Doch alle sie sind zeitlich, und aus diesem Grunde können sie keine Angst machen. Die Erfahrung des vergangenen Jahrhunderts hat uns vieles gelehrt und sollte uns vor vielem bewahren.

Wir wollen furchtlos den Pfad der Errettung beschreiten, denn Gott ist mit uns. Wir wollen uns im Glauben festigen, denn Gott ist mit uns. Wir wollen uns in der Hoffnung stärken, denn Gott ist mit uns. Wir wollen in der Liebe wachsen und Gutes tun, denn Gott ist mit uns.

All unser Hoffen wollen wir dem Herrn anbefehlen, denn Er ist "der Fels der Ewigkeiten" (Jes. 26:4) und dem Zeugnis des Apostels Petrus gemäß "ist in keinem anderen das Heil" (Apg. 4:12). Das Licht Christi möge immer euren irdischen Weg erhellen, und dieser Weg möge uns zum Himmlischen Königreich führen, das vom Herrn für die bereitet ist, die Ihn lieben.

Im Geiste freue ich mich heute mit euch allen, die ihr in verschiedenen Ländern, Städten und Ortschaften lebt, aber die eine Kirche Christi bildet; im Gebet möchte ich einem jeden von euch körperliche und geistliche Gesundheit, euren Familien Frieden und Erfolg in euren Werken wünschen. Der in Bethlehem geborene Herr und Heiland möge einem jeden von uns die Möglichkeit gewähren, mit neuer Kraft und von ganzem Herzen Seine Gegenwart in unserem Leben zu verspüren. Amen.

+KYRILL, PATRIARCH VON MOSKAU UND GANZ RUSSLAND

Christi Geburt
2016/2017

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