Weihnachtsbotschaft des Patriarchen Kyrill, 2014/2015

Weihnachtsbotschaft Seiner Heiligkeit Kyrill, des Patriarchen von Moskau und ganz Russland, an die Bischöfe, Priester, die Mönche und Nonnen und alle treuen Kinder der Russischen Orthodoxen Kirche

Im Herrn geliebte hochgeweihte Bischöfe, ehrwürdigste Väter, ihr ehrwürdigen Mönche und Nonnen, liebe Brüder und Schwestern!

In dieser Heiligen Nacht wende ich mich an euch, die ihr in verschiedenen Ländern, Städten und Dörfern lebt, die ihr aber zusammen die Eine Russische Orthodoxe Kirche bildet, und beglückwünsche euch von ganzem Herzen zum Fest, das der Welt das Heil bringt, zum Fest der Geburt Christi. Ich begrüße euch herzlich, meine Lieben, und bete darum, dass wir alle durch die gemeinsame Anteilnahme an diesem großen geistlichen Triumph von geistlicher Freude erfüllt und vom Fest des Glaubens gesättigt werden mögen, wie Söhne und Töchter Gottes und Freunde Christi (vgl. Joh. 15:15).

Jetzt, im Angesicht des Mysteriums der Fleischwerdung Gottes, versuchen wir zu begreifen, welches der Sinn eines Ereignisses ist, das sich vor zweitausend Jahren in Bethlehem abgespielt hat, und in welcher Beziehung es zu uns und unseren Zeitgenossen steht.

S.H. Kyrill, Patriarch von Moskau und ganz RusslandDer heilige Apostel Paulus schreibt: „Da aber die Zeit erfüllet ward, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einem Weibe und unter das Gesetz getan, auf dass er die, so unter dem Gesetz waren, erlöste, dass wir die Kindschaft empfingen.“ (Gal. 4:4f.). Aber was ist es, das dieser Fülle der Zeit voranging? Die gesamte Menschheitsgeschichte bis zur Geburt Christi ist im Grunde eine Geschichte der Suche nach Gott, in deren Zuge die klügsten Köpfe versuchten zu verstehen, wer denn die Quelle für jene übernatürliche Macht ist, deren Präsenz ein jeder Mensch auf die eine oder andere Weise in seinem Leben spürt.

Auf dem Wege der Suche nach Gott versuchten die Menschen, die Wahrheit zu finden und verfielen dabei in alle möglichen Irrungen. Doch weder die primitive Furcht des Menschen vor bedrohlichen Naturerscheinungen, noch die Vergöttlichung von Naturkräften, Götzen, manches Mal auch seiner selbst, und nicht einmal die seltenen Erleuchtungen, die den heidnischen Philosophen zuteilwurden, führten die Menschen zum wahren Gott. Und „dieweil die Welt durch ihre Weisheit Gott in seiner Weisheit nicht erkannte“ (1 Kor. 1:21), geruhte Er Selbst zu den Menschen herabzukommen. Mit geistlichem Blick betrachten wir das gottselige Geheimnis: der Schöpfer kommt dem Geschöpf bei, nimmt die menschliche Natur an, leidet Erniedrigung, stirbt am Kreuz und ersteht auf. All das übersteigt die menschliche Vorstellungskraft und ist ein Wunder, das uns die Fülle der Offenbarung Gottes über Sich Selbst gegenüber den Menschen eröffnet.

Christus ist geboren, und die Welt schöpft Hoffnung; Christus ist geboren, und es herrscht Liebe auf ewig; Christus ist geboren, und die Himmel neigen sich bis auf die Erde; Christus ist geboren, und der Stern von Bethlehem weist untrüglich den Weg zu Gott; Christus ist geboren, und niemand möge an den Triumph des Bösen glauben, denn wir sind selig geworden durch den Glauben, und das nicht aus uns: Gottes Gabe ist es (vgl. Eph. 2:8).

In Erwartung und in der Vorausschau der Ankunft des Messias ruft der Prophet Jesaja: „Mit uns ist Gott!“ (Jes. 8:10). Seine von Gott inspirierten Worte sind bis heute Quelle von unaussprechlicher Freude für Millionen von Christen. Der in Bethlehem geborene Herr wird in unseren Herzen geboren und verweilt mit uns, wenn wir Ihm und der von Ihm gegründeten Kirche die Treue halten. Er ist mit uns, wenn wir gute Werke vollbringen. Er ist mit uns, wenn wir unseren Nächsten helfen. Er ist mit uns, wenn wir Mitleid und Mitgefühl zeigen. Er ist mit uns, wenn wir Verfeindete versöhnen. Er ist mit uns, wenn wir vergeben und nichts Böses nachtragen. Er ist mit uns, wenn wir beten und an den Mysterien der Kirche teilhaben, ganz besonders am Mysterium der Danksagung, der Heiligen Eucharistie.

Das Fest der Geburt Christi kündet uns davon, was das Wichtigste ist: wir sind berufen, Gott zu lieben und Ihm, unserem Heiland, zu dienen, Dem, der dieses Heil allen Nationen für alle Zeiten geschenkt hat, Dem, der auch jetzt seine Arme einem jeden von uns offen hält. Indem wir die Fertigkeit erlangen, Gott auf die wahre Weise zu verehren und vor Seinem Angesicht zu verweilen, lernen wir es gleichzeitig, unseren Nächsten zu dienen, indem wir einen Glauben führen, der durch Liebe wirksam ist (vgl. Gal. 5:6).

Es ist nicht Vieles, das wir zu vollenden haben – uns ist die Antwort auf die Wirkung der errettenden Gnade Gottes durch unseren Gehorsam, unser Vertrauen in die Worte des Herrn, unseren Wunsch, Seine Gebote zu halten, zuteil. Wenn wir diese große Wahrheit verinnerlichen, dann wird sich vieles nicht nur in uns selbst, sondern auch um uns herum verändern. Wir werden fähig, Prioritäten innerhalb unserer Werte richtig zu setzen, wir werden fähig, friedlich, ruhig und bewusst den Weg zu gehen, der uns von Oben herab vorgezeichnet wurde, und dabei Gott zu preisen und Ihm zu danken.

Um aber einen solchen Geisteszustand zu erlangen, müssen wir nicht allein in den soziologischen Umfragen als orthodoxe Menschen gekennzeichnet sein, sondern unseren tiefsten Überzeugungen und unserem Lebenswandel nach, so, wie unsere frommen Vorfahren eifrig im Glauben und Gott liebend waren. Unter diesen nimmt der heilige apostelgleiche Großfürst Wladimir eine besondere Stelle ein. Den tausendsten Jahrestag seit seinem frommen Entschlafen werden wir in diesem Jahr begehen. Er ist es, dem wir es verdanken, dass wir zum Tragen des hohen Namens der Christen berufen sind und zusammen die eine Familie der orthodoxen Brudervölker der historischen Rus bilden. So war es, so ist es und so wird es bleiben. Keine zeitweiligen Unruhen und Prüfungen, keine äußeren Kräfte können diese Jahrhunderte alten geistlichen und kulturellen Banden der Erben des Kiewer Taufbades erschüttern.

In diesen heiligen Weihnachtstagen gilt das Gebet der ganzen Fülle der Kirche, und auch mein inständiges Gebet, dem Frieden auf der ukrainischen Erde. Unabhängig vom Wohnort ihrer Kinder, unabhängig von ihren politischen Ansichten und Vorlieben erfüllt die Russische Orthodoxe Kirche jene verantwortungsvolle Mission, die Ihr Christus Selbst auferlegt (vgl. Matth. 5:9) hat. Sie tat und tut alles Mögliche, damit die Menschen miteinander versöhnt werden und hilft ihnen, die Folgen der Verfeindung zu überwinden.

Im Grunde einer jeden Auseinandersetzung, des gegenseitigen Hasses und der Zerwürfnisse liegt die Sünde. Sie ist es, die – nach den Worten des heiligen Justin von Čelije – „mit all ihrer Kraft nur eines bewirken will: den Menschen zu entgöttlichen und zu entmenschlichen“ (hl. Justin (Popović), „Philosophische Abgründe“). Und wir können sehen, in welchen höllischen Zustand der Mensch mitunter verfällt, der die ihm vom Schöpfer verliehen Würde verloren hat.

Die Kirche aber kündet den Menschen im Namen Gottes unermüdlich von der großen Freude (vgl. Lk. 2:10) der Geburt des Heilands, ruft einen jeden Erdgeborenen dazu auf, gläubig zu werden und sich zum Besseren zu verändern. Sie bietet einen Weg des Aufstiegs an: von der Gottsuche zur Gotteserkenntnis, von der Gotteserkenntnis zur Kommunion mit Gott, von der Kommunion mit Gott dazu. Gott ähnlich zu werden. Der heilige Athanasius der Große, der im 4. Jahrhundert in Alexandria lebte, äußerte in wunderbaren Worten, was das Ziel des Schöpfers war, als Er in die Welt kam: „Gott wurde Mensch, damit der Mensch Gott werden konnte“. Nicht seiner Natur nach, sondern durch die göttliche Gnade. Die ganze jahrhundertealte Erfahrung der Kirche bezeugt: eine wirkliche Verklärung und Vergöttlichung wird durch die Wirkung der göttlichen Gnade vollbracht, wenn der Mensch aus freien Stücken mit Gott zusammen wirkt. Erreicht wird sie mit Mühen, mittels Gehorsam gegenüber dem Schöpfer, und nicht etwa durch die Annahme der teuflischen Versuchung durch die Schlange, die es unseren Urahnen anbot, vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse zu essen und sogleich zu sein wie Gott (vgl. Gen. 3:5). Ein jeder, der dem Glauben gemäß lebt, weiß: es ist die Treue Gott gegenüber, die ihn von bösen Werken und Gedanken bewahrt, und es ist der Glaube, der ihn zu Tugendtaten und Werken zur Ehre Gottes und zum Wohl seiner Nächsten inspiriert.

Indem ich euch alle zum großen Fest der Geburt Christi und zum Neuen Jahr beglückwünsche, wünsche ich euch von ganzem Herzen eine gute Gesundheit, Frieden, Wohlergehen und reiche Hilfe von Oben für eine sichere Nachfolge unseres Herrn und Heilandes.

Der Gott aller Gnade aber, der euch berufen hat zu seiner ewigen Herrlichkeit in Christo Jesu, … Er selbst wird euch vollkommen machen, befestigen, kräftigen, gründen. Ihm sei die Herrlichkeit und die Macht von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen. (1 Petr. 5:10f.).

+Kyrill, Patriarch von Moskau und ganz Russland
Christi Geburt
2014/2015
Moskau

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